Berlinale 2018 – Tag 3 | Ein Anti-Western, der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag und ein koreanischer Arthaus-Film

Das tägliche BERLINALE-TAGEBUCH 2018

Für den deutschen Schauspieler Franz Rogowski konnte der erste Samstag der diesjährigen Berlinale 2018 eigentlich nicht besser verlaufen. Am Morgen wurde der Darsteller in der Audi Berlinale Lounge zum Shooting Star 2018 erklärt, am Abend brillierte er in der Weltpremiere des deutschen Wettbewerbsbeitrags TRANSIT von Regisseur Christian Petzold – und in den nächsten Tagen läuft mit IN DEN GÄNGEN dazu ja noch ein weiterer Film mit ihm bei den Internationalen Filmfestspielen an. Natürlich konnten auch wir da keinen Bogen um ihn machen und nahmen am 3. Tag sowohl die am Abend stattfindende Weltpremiere, als auch die hier aufgezeichnete Pressekonferenz am Mittag mit. Mit einem durchaus emotionalen Christian Petzold als Hauptprotagonisten. Schaut sie euch hier in voller Länge an:

Gestartet hatten wir unseren Tag allerdings mit einem anderen Wettbewerbs-Beitrag im Friedrichstadt-Palast in Mitte. Einem jener Berliner Stadttheater, die sonst als Musical – und Revue-Theater dienen (wir können die derzeitige ONE-Show von Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier übrigens nur empfehlen), aber einmal im Jahr zur BERLINALE-Zeit auch zum – neben dem Berlinale Palast – größten Kinosaal der Stadt umfunktioniert wird. Gezeigt wurde DAMSEL. Ein Film, dessen Hauptdarsteller wie Mia Wasikowska und Robert Pattinson wir zwar ein Tag zuvor bereits bei der Pressekonferenz hatten treffen können, aber den Film bis dato noch nicht gesehen hatten. Ja, denn auch wir haben nur zwei Augen… 😉

Wie uns diese Western-Komödie  gefiel, was wir von TRANSIT halten, einen Panorama-Beitrag ablehnen, wir  einen Perspektive-Deutsches-Kino-Film zwiespältig betrachten und warum ein Film der Sektion FORUM sich als unser absoluter Liebling des diesjährigen Festivals entpuppen könnte, lest ihr hier in den folgenden Kurzkritiken.

DAMSEL / SEKTION WETTBEWERB

Damsel / Copyright: Strophic Productions Limited

Die neue Western-Komödie DAMSEL vom Regie-Brüderpaar David und Nathan Zellner ist ein Wild-West-Abenteuer der Kategorie “Slapstick und Parodie.” Darin macht sich Robert Pattinson als Samuel Alabaster auf die Suche nach einer schönen Frau namens Penelope, gespielt von Mia Wasikowska, die er unbedingt heiraten will. Dabei hat er eine Gitarre für seine Liebeshuldigungen, ein Zwergpony namens Butterscotch als Hochzeitgeschenk und einen trinkfreudigen Begleiter namens Parson Henry, gespielt von einer der Regisseure David Zellner, dabei. Dumm nur, dass Samuels Geschichte von einer Entführung Penelopes nicht ganz stimmt. So entwickelt sich aus dieser Situation eine Rettungsaktion voller Tollpatschigkeiten, komischen Momenten und dubiosen Zufällen. Allerdings inszeniert in einer solch albernen Weise, dass fast jeder angedachte Witz ins Leere laufen muss und die wenigen zündenden Gags auf hölzernen Plattitüden und Klischees basieren. Da macht es den Film auch nicht besser, wenn das schwache Drehbuch ständig neue Szenen aneinanderreiht, ohne wirklich zum Punkt zu kommen. Wenn die Zuschauer das herbeigesehnte Ende immer wieder zu erahnen glauben, dann aber doch enttäuscht werden, weil es unnötigerweise doch noch noch mit einer weiteren unglaubhaften Handlung weitergeht. Da hätte man doch besser dem Leitspruch “Weniger ist mehr” folgen sollen.

Weitere Vorstellungen:
25.02. 15h30 Berlinale Palast

TRANSIT / SEKTION WETTBEWERB

Transit / Copyright: Schramm Film / Marco Krüger

In TRANSIT, dem neuen Film von Regisseur Christian Petzold, geht es um einen Mann namens Georg (gespielt von Franz Rogowski), der im letzten Moment nach Marseilles entkommt, als deutsche Truppen vor Paris stehen. Der im Gepäck die Hinterlassenschaften eines Schriftstellers hat, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern umgebracht hat. Und der nun die Identität dieses Mannes annimmt, um auf ein Schiff ins Asyl zu gelangen. Denn: In den Unterlagen des Schriftstellers finden sich nicht nur diverse Manuskripte, sondern auch die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft. Doch als er Marie (gespielt von Paula Beer) kennenlernt, ändert sich viel in seinem Leben. TRANSIT ist ein Film über Flüchtlinge und wie es ist in der persönlichen Not von dem brutalen Bürokatrieapparat des Staatswesens erdrückt zu werden, um endlich wieder ein glückliches Leben führen zu können. Wenn ein Stempel  mit dem Satz..„Sehe ich das richtig, ich kann nur bleiben, wenn ich nachweise, dass ich gehen will?“ über das Leben der Protagonisten entscheidet, ist das wohl eines der passenden Sprüche, die ins Herz von der Flüchtlingskrise stechen. Dabei stehen im Gegensatz zu anderen Werken von Christian Petzold diesmal die Männer im Hauptfokus, während die Frauen nur Nebenrollen zugesprochen bekommen, die keine wirklichen Stimmen haben. Wie Franz Rogowski aber seine Rolle als Verfolgter annimmt,  ist genauso beeindruckend wie die Kamerarbeit, die die Atmosphäre der Stadt wundervoll einfängt und trotz sehr ruhigen Bildern die Geschichte in ihren kleinen Details vorantreibt. Ein Film, der die Geschichte zwar in unsere heutige Zeit verlegt, aber durch die eher ans 20. Jahrhundert erinnernden Klamotten und die fehlenden technischen Inovationen wie Handys  dennoch ein Gefühl gibt, was es für Menschen bedeutete, die Verfolgung hautnah miterlebten. Ein Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Anna Segher.

 

Weitere Vorstellungen:
18.02. 12h00 Haus der Berliner Festspiele
18.02. 15h00 Friedrichstadt-Palast
21.02. 18h30 Filmkunst 66
25.02. 16h45 Haus der Berliner Festspiele

GRASS / SEKTION FORUM

Grass / Copyright: Jeonwonsa Film Co.

GRASS ist ein wundervoll komponierter Arthaus-Film von Regisseur Hong Sangsoo, der bereits letztes Jahr mit ON THE BEACHT AT NIGHT ALONE auf der Berlinale brillierte. Ein Film, der seine Geschichte um ein angesagtes Café im Zentrum von Seoul anlegt, in der vorzugsweise klassische Musik gehört wird und in der Männer mit Frauen an den Tischen Gespräche über das Leben führen, die Dramen der Ehe ausdiskutieren, über Liebe und Freundschaft streiten und gemeinschaftlich trinken. Alles beobachtet von einer jungen Frau mit einem Laptop am Schaufenster sitzend, die die Geschehnisse scheinbar unauffällig auf ihrem Bildschirm dokumentiert. Inszeniert ohne viel Schnickschnack in nur etwas mehr als 60 Minuten, dessen Gespräche aber zu fesseln wissen und in der man nicht nur gebannt vor dem Leinwand als stiller Zuhörer für sich Erkenntnisse über das Leben mitnehmen erhoftt, sondern innerhalb der tiefgründigen Gespräche auch immer wieder sich oder Freunde zu erkennen glaubt. Ein stimmungsvoller,atmosphärischer Beitrag á la Jim Jarmusch.

Weitere Vorstellungen:
18.02. 20h00 Cubix 9
25.02. 12h00 CineStar 8


INKAN, GONGKAN, SIKAN GRIGO INKAN – HUMAN, SPACE, TIME AND HUMAN  / SEKTION PANORAMA

Inkan, gongkan, sikan grigo inkan / Copyright: Kim ki-duk Film
Nachdem lange überlegt wurde, ob der Regisseur auf die diesjährige Berlinale eingeladen werden sollte, wurde sich unter der Voraussetzung, dass er sich einer Pressekonferenz stellt, dafür entschieden. Kim Ki-duk wagt ein Gedankenexperiment, bei dem er einen Haufen verschiedenster Menschen auf einem Schiff in einem Mikrokosmos zusammen pfercht. Es kommen existenzielle Ängste und Probleme zum Vorschein, was wiederum die menschlichen Abgründe der Figuren ans Licht bringt. Der Zuschauer sieht sich mit Kannibalismus, zahlreichen Massenvergewaltigungen und Inzest konfrontiert. Religiosität, der Glauben an das Gute im Menschen und der Fortbestand der gesamten Menschheit sind die treibenden Faktoren. In der anschließenden Pressekonferenz erklärt  Kim Ki-duk das mit den beiden großen Traumata Koreas: dem Koreakrieg und der japanischen Kolonialzeit. Gern würde man sehen, dass ein Film bei der Verarbeitung dieser Traumata hilft, jedoch lässt er keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Durch die dargestellte Gewalt gepaart mit den Frauenfiguren (bei denen es sich ausschließlich um Prostituierte, Opfer und/oder Gebärmaschinen handelt) und den realen Vorwürfen gegen den Regisseur im Zuge der #metoo-Debatte sind die zwei Stunden nur schwer zu ertragen.

Weitere Vorstellungen:
18.02. 12h30 CinemaxX 7
19.02. 17h00 Cubix 9
23.02. 21h30 Zoo Palast 1

RÜCKENWIND VON VORN  / SEKTION PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO

Rückenwind von vorn / Copyright: Von Oma gefördert

In RÜCKENWIND NACH VORN hat Charlie eigentlich das perfekte Leben mit ihrem Freund, ihrem Job und ihren Freunden. Doch alle scheinen irgendwie weiter zu sein in ihrem Leben als sie. Ihr Freund Marco, mit dem sie zusammenwohnt, will ein Kind von ihr, sie nimmt aber weiterhin heimlich die Pille, ihr Kollege will sich einen Wohnwagen kaufen und durch die Balkonstaaten reisen und ihre Freundin macht eine Weltreise. Nur Charlie scheint nicht zu wissen,  was sie möchte. Der Film handelt von ihren Ausbruch aus ihrer Welt und über das , was man wirklich im Leben will. Dabei sind allerdings einerseits die Figuren nicht sehr nahbar geschrieben, weshalb man sich nicht wirklich in sie hineinversetzen kann. Andererseits ziehen sich die 77 Minuten Spielfilmlänge ziemlich in die Länge und es werden viele Themen angesprochen, die dann aber nicht weiterverfolgt werden.  Ein Film, bei dem die Figuren etwas inhaltsleer wirken und dessen Film mehr für das Fernsehen, als für das Kino geschrieben wurde.

Weitere Vorstellungen:

 

 


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