Berlinale 2018 – Tag 5 | Berlinale-Ausstellungen, Gus Van Sant und eine Hommage an Romy Schneider

Das tägliche BERLINALE-TAGEBUCH 2018 von unserem Redakteur Daniel Voigt

Fast 400 Filme kann man dieses Jahr wieder auf der Berlinale bestaunen. Klar, dass da jeder ein anderes Programm sieht. Doch das die BERLINALE 2018 nicht nur klassisches Kino bedeutet, beweist die Sektion “Forum” mit ihrer Sparte “Forum Expanded”, bei denen wir am Montag nicht umhin kamen, vorbeizuschauen. Dioese hier kuratierten, experimentelle Filme und Videoinstallationen werden derzeit in der Berliner Akademie der Künste unter dem Titel “A mechanism capale changing itself” in einer Ausstellung präsentiert und so in den Kunstfokus verschoben. Filme aus Kora, Ägypten, Libanon, Arabien oder Niederlande, in denen mal 45 Minuten nichts passiert und auf die man sich einlassen muss, mal visuell so gefordert wird, dass man nicht weiß, wo am ehesten hinschauen soll.

Pink Slime Caesar Shift / Copyright: Jan Liu

Ein Highlight erwartete uns dann wieder bei der Vranstaltungsreihe BERLINALE TALENTS. Regie-Legende Gus Van Sant war gekommen über die Stil, das Sounddesign und das Besondere seiner Filme zu sprechen sowie sich darüber auszutauschen, wie er den Weg hin zum Regisseur geschafft hatte. Was er zu sagen hatte, kann man sich hier in voller Länge anschauen. Wer seinen neuen Film sehen will, der kommt bei der BERLINALE 2018 auf seine Kosten. Sein neues Werk DON’T WORRY HE WON’T GET FAR ON FOOT wird am Dienstag in der Sektion “Wettbewerb” gezeigt.

Welche Filme wir am Montag schauen konnten? Hier findet ihr die Meinung zu drei Filmen:

 

7 DAYS IN ENTEBBE / SEKTION WETTBEWERB

7 Days in Entebbe / Copyright Liam Daniel

Der Thriller 7 DAYS IN ENTEBBE erzählt eine Flugzeugentführung basierend auf wahren Begebenheiten. Am 27. Juni 1976 entführten vier Kidnapper ein Flugzeug der Gesellschaft Air France. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris, die Entführer waren zwei Mitglieder der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) und zwei Deutsche, Mitglieder der linksextremistischen Revolutionären Zellen. Sie behielten mehr als 100 der Geiseln, vorwiegend israelischer Herkunft, eine Woche lang in ihrer Gewalt und verlangten unter anderem die Freilassung von 40 in Israel inhaftierten palästinensischen Terroristen und Militärs. Daniel Brühl und Rosamunde Pike spielen in neuem Spielfilm von José Padilha die deutschen Terroristen. Und machen ihre Sache schauspielerisch auch sehr gut und eindringlich. Was jedoch feht ist ein roter Faden, der die Inszenierung trägt. Zu viele Figuren werden eingeführt, zu wenig Protagonisten inhaltlich und charakterlich vertieft. Kampfszenen werden mit Tanzszenen vermischt.Und ein Dramaturgiebogen bleibt trotz der wahren Geschichte vage. Ein Film, der viel will, sich aber doch allzu sehr in seinen zahlreichen Erzählsträngen und Perspektivwechseln verheddert und manchmal sogar ungewollt komisch ist.

Weitere Vorstellungen:
20.02  10h00 Haus der Berliner Festspiele
20.02  15h00 Friedrichstadt-Palast
20.02  18h30 Haus der Berliner Festspiele

DREI TAGE IN QUIBERON / SEKTION WETTBEWERB

Drei Tage in Quiberon / Copyright: © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

In DREI TAGE IN QUIBERON von Emily Atef schlüpft Marie Bäumer in große Fußstapfen und spielt die deutsche Schauspiellegende Romy Schneider. Der Film erzählt von Romy Schneiders letztem Interview im März 1981 in der Bretagne. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits eine „gebrochene Frau“, wie der Stern kommentierte, in dem das Interview veröffentlicht wurde. Im Interview gibt sie sich ungewohnt offen und erzählt von ihren intimsten Problemen, Ängsten, Familie und Heimat. Dabei trinkt sie viel und raucht beinahe ununterbrochen, womit sie ihre Verzweiflung zu ersticken versucht und wodurch gleichzeitig unterstrichen wird, was sie den ganzen Film über immer wieder betont: Sie ist nicht Sissi! Eine gewisse Ähnlichkeit mit Romy Schneider kann man Marie Bäumer keineswegs absprechen, besonders in Szenen, in denen sie für die berühmten Fotos posiert, die am Strand entstanden. Leider gelingt ihr der leicht österreichische Dialekt von Romy Schneider nicht. Insgesamt ist die Figur sehr fahrig gezeichnet und es fällt einem schwer, Mitgefühl oder Empathie zu empfinden. Außerdem passiert in dem Film kaum etwas überraschendes, sodass er mitunter etwas langatmig ist.

Weitere Vorstellungen:
20.02. 12h00 Friedrichstadt-Palast
20.02. 21h00 Haus der Berliner Festspiele
21.02  21h30 Filmkunst 66
21.02  12h45 Berlinale Palast

MATANGI / MAYA / M.I.A. / SEKTION PANORAMA

MATANGI / MAYA / M.I.A. / Copyright Courtesy Of Cinereach

Steve Loveridge, ein Studienfreund der Sängerin M.I.A. porträtiert in der Dokumentation MATANGI / MAYA / M.I.A das Leben von Maya Arulpragasam und liefert einen Haufen Hintergrundinfos über Stationen ihres Lebensweges. Dabei bedient er sich altem Videomaterial, das die Sängerin selbst gefilmt hat und kombiniert es mit aktuellen Aufnahmen, Konzert- und Interviewmitschnitten. Das alles zeigt das Bild einer mutigen, selbstbewussten, reflektierten Frau, die sich in ihrer Wandlung vom Flüchtlingskind zum Weltstar immer treu geblieben ist und nie ein Blatt vor den Mund (oder ihren Mittelfinger) genommen hat. Sie kämpft für die Tamilen in Sri Lanka und meidet keine noch so schreckliche Wahrheit. Sie verbreitet Bilder von realen Hinrichtungen und lässt in ihren Musikvideos Menschen aufgrund willkürlicher Merkmale wie der Haarfarbe erschießen. Sie zeigt ganz Amerika bei einem Auftritt in der Halbzeit des Superbowls den Mittelfinger und kann nicht glauben, dass sie für diese “spiritual gesture” zahlen soll. Sie setzt sich für Frauenrechte ein und kämpft gegen Rassismus. Beinahe nebenbei wird sie zum gefeierten Weltstar und nutzt ihren wachsenden Rum und die damit verbundene Öffentlichkeit für ihren Zweck.  Die Doku porträtiert eine starke, inspirierte und inspirierende Frau. Filmisch ist sie nicht perfekt und besonders die vielen alten Aufnahmen sind stellenweise anstrengend anzusehen (besonders wenn man wie immer spät dran ist und in den vorderen Reihen landet), gleichzeitig machen sie den Film so besonders!

Weitere Vorstellungen:
23.02. 15h00 Colosseum 1

 

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