Hollywoods neue Liebe zum Microdrama – war da nicht mal was?

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Das neue Zauberwort in Hollywood? Nein, nicht mehr „Bitte“. Und wenn dann höchstens „Bitte schnell“. Und dazu noch „Bitte günstig“. Nein, nein, das neue Zauberwort, das die Traumfabrik aktuell geradezu elektrisiert ist, lautet „Microdrama“ beziehungsweise „Vertical Drama“: 60- bis 90-sekündige, vertikale Film- und Serien-Episoden, die speziell für das Binge-Watching auf Smartphone-Screens ausgelegt sind. Dazu kostengünstig und kurzfristig (denn der Markt für Bewegtbildinhalte ähnelt inzwischen dem von Fast Fashion) herzustellen – und vor allem einen ganz wichtigen Aspekt berücksichtigen: Die immer weiter abnehmende Aufmerksamkeitsspanne der TikTok, Instagram & Co. gewohnten Zuschauer, User, Follower. Also ein Angebot, das sich überall to go nutzen lässt, auf einem Bildschirm, den heute jeder in der Hosen- oder Jackentasche hat.

Nur: War da nicht mal was? Quibi? Erinnert sich noch jemand an den speziell für Smartphones und den „Gebrauch“ unterwegs, auf dem Weg vom und zum Arbeitsplatz zugeschnittenen Streamingdienst mit eigens konzipierten Kurz-Inhalten von Hollywood-Legende Jeffrey Katzenberg (Walt Disney Studios, DreamWorks SKG) und Online-Businessprofi Meg Whitman (Hewlett-Packard, eBay)? Quibi startete jetzt gerade vor gerade einmal sechs Jahren, im April 2020 – und war bereits sechs Monate später schon wieder Geschichte.

Wie heißt es: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Muss man dann im Fall von Quibi nicht eher fragen: Wer zu früh kommt, den bestraft… die Wall Street? Was war der Grund für den noch heute in Hollywood als „historisches Scheitern“ bezeichneten Reinfall? Es gab viele Gründe. Und dann kam auch noch das berühmte Pech dazu. Gerade als Quibi loslegte, legte der Corona-Virus die Welt lahm. Man fuhr nicht mehr zur Arbeit – also brauchte man auch kein Streamingangebot für Bahn und Bus. Dann: Die User/Follower/Zuseher waren schon viel weiter, als Katzenberg & Whitman glaubten: Entweder guckten die auch komplette Hollywoodschinken in voller Länge und dann eben mit Unterbrechungen auf dem kleinen Bildschirm. Und bei allen anderen hatten die aufwändig in Hollywood-Qualität produzierten Inhalte keine Chance gegen die ständig frische Ware von TikTok, Instagram & Co. – die noch dazu, wie natürlich auch YouTube, einfach gratis daherkamen und mit keinem kostenpflichtigen Abo verbunden waren. Und: Die Inhalte von Quibi ließen sich nicht teilen – was für den Aufbau einer Community im Web ein geradezu sträfliches Versäumnis war.

Schauen wir mal, ob es mit dem Microdrama beziehungsweise Vertical Drama besser läuft. Und: Schauen wir mal, ob es sich dabei einfach nur um ein gern auch gerne, zahlreich und „nebenbei“ genutztes, neues, zusätzliches Angebot handelt. Oder ob der Trend zu oder Boom von Microdrama resp. Vertical Drama kurz oder lang dazu führt, dass die Aufmerksamkeits-Erosion für richtig lange (ja… oftmals inzwischen auch viel zu lange) Filme im Kino oder Heimkino noch viel, viel weiter fortschreitet.

Quibi-Launch: Am 6.4.2020 starten Meg Whitman und Jeffrey Katzenberg ihren Streamingdienst für Kurzinhalte – ausgestattet mit prominenten Unterstützern und zugeschnitten auf Mobile Devices und User, die schnell mal zwischendurch in Bahn und Bus was gucken wollen. Aber dann kam Corona, und keiner fuhr mehr Bahn und Bus, sondern blieb eher im Homeoffice. Die Folge: Vom Startkapital in Höhe von 1,75 Milliarden Dollar waren nach sechs Monaten nur noch 350 Millionen übrig – und Katzenberg & Whitman gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Quibis bis dahin produzierten Inhalte wurden schließlich für 100 Millionen Dollar an den Plattformbetreiber und Anbieter vom Multimedia-Playern Roku veräußert.

Eure Meinung?

Habt ihr jemals was von Quibi gesehen? Guckt ihr euch überhauft Filme oder Serien in der Bahn und im Bus an? Und lieber hochkant oder quer? Braucht es für euch noch neue Inhalte – oder reicht euch das, was euch YouTube und die gängigen Social Media-Kanäle liefern? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

 

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