Disney vs. Netflix: Hat Micky Maus doch mehr Macht als Frank Underwood? | ELMARS HOLLYWOOD

Steht Hollywood vor der nächsten großen Revolution? Vor genau einem Jahr erklärte Elmar Biebl an dieser Stelle sehr anschaulich, wohin es führen kann, wenn sich die Traumfabrik mit einer neuen Technologie konfrontiert sieht. Oder wie es der Imperator in STAR WARS ausdrücken würde: „Ich spüre eine große Erschütterung der Macht.“ Ist diese Macht jetzt möglicherweise erschüttert?

Der Siegeszug der Streaming-Dienste: Vergleichbar mit der Erfindung des Fernsehens?

Hollywood steht Kopf. Oder, nein, andersrum: Hollywood wird auf den Kopf gestellt. Die alten Business-Modelle haben wohl ausgedient. Früher kamen Filme zuerst ins Kino, danach wurden sie auf DVDs oder Blu-rays gepappt und landeten schließlich im Fernsehen.

Und damit ging es schon los. Das Fernsehen teilte sich nämlich auf in Pay- und Free-TV. Von da war es dann nicht mehr weit zum Fernsehen-wann-immer-dir-der-Sinn-danach-steht. Und: Wonach-dir-der-Sinn-steht. Video-on-demand.

Der Weg war frei. Also: Der Weg zum Konsumenten. Zum Zuschauer. Zum Filmpublikum. Zum User. Warum Filme über (Zwischen-) Rechtehändler an Sender, also Distributoren, verkaufen, die durch die Weiterverbreitung, also die „Lieferung“, im Zusammenhang mit Werbung ganz schön viel Geld verdienen? Viel mehr, als sie für die Benutzung des Films bezahlt haben? Warum – die Technik macht’s längst möglich – nicht die Filme selbst an die „liefern“, die diese gerne sehen wollen? Und dafür auch zu zahlen bereit sind?

Die, die das zuerst erkannten, waren allerdings nicht die Studios, die das hatten, was alle sehen wollten. Es waren im Grunde wieder mal Zwischenhändler. Moderne Zwischenhändler. Digital vernetzte Lieferanten. Online-Videotheken. Wie Amazon. Oder Netflix. Als sie groß und größer wurden, wachten die Studios auf. Doch da waren die „Lieferdienste“ längst schon keine Dienstleister mehr. Sondern Konkurrenten. Ernstzunehmende Konkurrenten. Die sich zunehmend aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu den großen Hollywood-Majors, den Studio-Giganten, wie Universal, Paramount, Warner, Fox und Disney, befreiten, indem sie nun selbst zu Produzenten wurden. „Originals“ lieferten. Untrennbar mit ihren Namen verbunden. Im Gegensatz zu all den Filmen und Franchises, die überall und auf vielen Plattformen verfügbar sind.

Content is king. Eine uralte Weisheit. Nicht minder wichtig aber: Access. Der Zugang zum Gucker.

Streaming – da beißt die Maus keinen Filmstreifen ab – ist das Zauberwort. Kino schwächelt – aus mannigfaltigen Gründen. Was nicht heißen soll, dass das Gemeinschaftserlebnis bereits ein Auslaufmodell sei. Aber Streaming, der direkte Zugang zum Filmschauenden, hat nun einmal so viele Vorteile: Es gibt keine Mitverdiener. Man baut einen direkten Draht zum „Endverbraucher“ auf. Dazu macht es die Technik möglich, viel schneller zu wissen, was ankommt. Und was nicht. Und in dem Fall: Was genau nicht. Digitale Medien sind keine Einbahnstraße, sondern liefern – wenn gewünscht – viele Daten und Erkenntnisse.

Aber auch beim Streaming gilt: Starke Marken sind starke Marken. Große Namen sind große Namen. Universal, Paramount, Warner, Fox und Disney sind welche. Namen mit einer Geschichte. Film-Historie.

Das müssen Netflix, Amazon und Co. erst einmal hinkommen. Und es wird interessant sein, zu sehen, ob und wie schnell sie das hinbekommen. Denn noch immer gelten die großen Awards, gelten Oscar, Golden Globes & Co. als Gütesiegel. Als Empfehlung. Bislang sind die Streaming-Anbieter da nur Zuschauer. Von außen. Durchs Fenster.

In der letzten Folge seines Netflix-Zweiteilers berichtete Elmar Biebl über die gewaltigen Produktions-Bemühungen von Netflix, über so ambitionierte Spielfilmprojekte wie THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS, 22ND JULY oder THE IRISHMAN. Aber werden wir die auch bei den großen Filmpreis-Verleihungen sehen? Denn eigens dafür … wurden sie doch gemacht? Die Regeln für eine Nominierung zu den Oscars und Golden Globes aber stehen fest. Springen Netflix und Co. also nun über ihre Schatten beziehungsweise über die ihrer Geschäftsmodelle (sprich: gehen sie auch ins Kino), um mit den prestigeträchtigen Trophäen ihre Stellung (oder ihren Führungsanspruch?) in Hollywood zu festigen?

In dieser Folge seines Netflix-Zweiteilers erklärt Elmar Biebl die Beweggründe für Disneys Ambitionen, einen eigenen Streaming-Dienst auf die Beine zu stellen. Aber zeigt auch auf, welche Risiken damit für Disney verbunden sind. Vor allem erzählt er, warum ausgerechnet Netflix den Weg für Disney freigemacht hat.

 

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