FOX’ Scheinwerfer sind aus: Disneys Maus hat das Kabel durchgebissen | ELMARS HOLLYWOOD

Nun ist es also passiert: Die Lichtfinger der Suchscheinwerfer sind erloschen. Jene den Himmel über Hollywood absuchenden Searchlights. Mindestens seit Anbeginn des eigenen Kino- und Filmgedenkens begleitet von Blechtrommelwirbel und Bläserfanfaren-Tatarata. Eine Maus hat das Kabel durchgebissen. Mickey Mouse.

Der Multi-Unterhaltungskonzern Disney hat das Traditionsstudio 20th Century Fox geschluckt. Bob Iger, Mickeys Boss und Disney-CEO, sowie Medienmogul Rupert Murdoch haben den Deal besiegelt. Die Tinte ist trocken. Und die amerikanischen Wettbewerbshüter haben den Tintenkiller wieder in ihrer Federmappe verschwinden lassen. Ihrer Ansicht nach ist für genügend Wettbewerb gesorgt – und das ausgerechnet durch den Wettbewerber, dem Disney-Fox jetzt das Leben schwer machen will und soll: Netflix. Elmar Biebl berichtete darüber.

Heute erklärt er, welche Konsequenzen die jüngst vollzogene Elefantenhochzeit hat.

Disney + 20th Century Fox = ein guter Deal?

Ob die (ziemlich teure) Rechnung aufgehen wird? Keine Ahnung. Wenn es um Fantasien, Träume, das Geschichten-Erzählen, Gefühle und Imagination geht, gelten – Gott sei Dank – eben doch andere Gesetze als jene, die man im Studium der Betriebswirtschaft lernt. Da ergibt 1 + 1 eben nicht automatisch 2 – also im Sinn von doppelt so viel Kraft, Marktmacht, Gewinnmargen. In der Kreativwirtschaft beziehungsweise einer Traumfabrik kann 1 + 1 ganz schnell auch mal 0,5 ergeben. Disney war (bisher) so klug, Pixar einfach in Ruhe zu lassen. Und nicht einfach den ganzen Zauber von Emeryville in den eigenen, großen Topf Animations-Brei zu kippen und zu einer unidentifizierbaren Masse zu verquirlen. Aber vielleicht war es auch gar keine Klugheit. Vielleicht war es auch ein knallhart formuliertes Testament von Steve Jobs. Oder – etwas, das selten geworden ist – ein Versprechen, ein Händedruck unter Männern, die sich gegenseitig ganz einfach sehr geschätzt und anerkannt haben: Bob Iger und Steve Jobs.

Wie dem auch sei: Natürlich geht es bei Fusionen nicht nur darum, Wettbewerber oder Konkurrenten zu überflügeln. Sondern stets auch darum, Kosten zu sparen. Die Effizienz zu erhöhen. Oder, anders gesagt: am Ende mehr Geld übrig zu behalten. Darauf werden auch die neuen Herren und Bestimmer im Fox-Studioreich schielen. Denn erstens haben sie ehrgeizige Pläne. Und zweitens brauchen sie für deren Umsetzungen viel Geld. Sie wollen und müssen sich für die Herausforderungen eines sich radikal verändernden Markts fit machen. Zum zweiten Mal in der langen Geschichte des Kinos wird die Filmwirtschaft herausgefordert. Dieses Mal nicht von der Erfindung des Fernsehens, sondern einer für das Kino und damit auch für die bisherigen Geschäfts- und Erlösmodelle möglicherweise bedrohlichen Kombination: Internet + Fernsehen = Streaming. Dem will Disney – gestärkt durch die Schätze aus dem Fox-Keller – mit einem eigenen Streaming-Angebot lieber früher als zu spät begegnen. Mit Disney+.

Auch wenn vielleicht noch gar nicht feststeht (zumindest habe ich es noch nirgendwo gelesen), ob die Marke Fox wirklich aus dem Kino-Alltag und unserem Bewusstsein getilgt werden soll: Ganz sicher hat auch in Hollywood auf manchen Studiogängen längst das Zittern um den eigenen Arbeitsplatz begonnen. Wirtschaftspower – mag sie auch noch so geballt daherkommen – bedeutet aber nicht alles in diesem etwas speziellen und längst nicht nur mit Business-Plänen zu planendem Geschäft. Wenn Disney+ ein Erfolg werden soll, braucht es mindestens auch so viel Fantasien, Visionen und Ideen wie Geld. Es braucht Träumer. Keine Kassenwarte. Deswegen: Vorsicht, damit aus „Verschlanken“ nicht am Ende eine Kreativ-Schlankheitskur wird! Denn der fantastische, von viel Elan getragene, aber auch mit viel Geld vorangetriebene Erfolg von Netflix beruht nicht (mehr) darauf, die endlosen und immer gleichförmigeren Franchises von Drittanbietern (von denen Disney, Fox, Marvel, Lucasfilm und Co. nun endgültig wegfallen dürften) einfach nur auf bequemstem Weg zu fairen Preisen und pünktlich vor das heimische Sofa zu liefern. Vielmehr wird Erfolg inzwischen mehr und mehr von Mut zu neuen Stoffen, motivierten Ideengebern und Filmemachern getragen. Von der konsequenten Lossagung vom Hollywood-Kino-Einheitsbrei. Von einer Art … Pioniergeist. So. Genug geschwärmt.

Lichtfinger künden immer von großen Ereignissen

Eine Betriebswirtschaftsweisheit gilt aber auch in Hollywood: Konkurrenz belebt das Geschäft. Insofern haben Netflix, Amazon Prime, Hulu und wie sie alle heißen also schon mal etwas bewirkt. Wie Billigflieger, die bei den alten Staatsfluglinien die Preise purzeln ließen. Disney eats Fox. Ja. Da darf man auch mal für einen Moment sentimental werden (wurde man das beim Aus von United Artists eigentlich auch?).
Aber Dinge verändern sich. Die Welt bleibt nicht stehen. Bla, bla – aber so ist es. Wir leben in einem Weltzeitalter des Konsolidierens. Neue Märkte entstehen. Neue Technologien wollen benutzt werden. Unsere Bedürfnisse sind immer noch dieselben – nur befriedigen wir sie heute anders. Und morgen wieder anders.

Apropos morgen: Heute beurteilen wir das vereinigte Disney-Fox-Konglomerat als Riesen. Als Giganten. Als Moloch. Aber wie lange hat diese Sichtweise Bestand?

Es ist noch nicht lange her, da geisterten immer wieder Gerüchte durch die Gazetten und sozialen Kanäle, dass Apple (schicke Endgeräte und ganz, ganz, ganz viel Geld) möglicherweise Netflix (schicke Serien, Filme und Originals – aber ganz, ganz, ganz viele Schulden) übernehmen könnte. Denn auch da verändern sich gerade die Marktvoraussetzungen. Schicke Geräte haben wir alle; zu erfinden gibt es auch kaum noch Neues. Also geht es jetzt um die Sachen, die uns – dank der schicken Geräte – das Leben lebenswerter, schöner, gemütlicher, bequemer, unterhaltsamer oder kurzweiliger machen. Wie zum Beispiel Serien. Oder Filme.

Das Ding von Apple und Netflix ist inzwischen abgesagt. Zumindest offiziell. Aber das heißt nicht, dass Apple nicht auch Träume wecken, erschaffen, befriedigen, transportieren, anschaubar und miterlebbar machen möchte.

„It’s Showtime“: Einladung zum Apple Event am 25.3.2019. Den Weg weisen Searchlights: Suchscheinwerfer.

Vielleicht müssen wir auf die liebgewonnenen Fox-Lichtfinger ja gar nicht lange verzichten.

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