Jonathan | Interview mit Hauptdarsteller Jannis Niewöhner

Jonathan / Copyright: Jeremy Rouse / Farbfilm
Jonathan / Copyright: Jeremy Rouse / Farbfilm


Jannis Niewöhner spielt die Titelrolle in dem außergewöhnlichen Drama JONATHAN, der die Geschichte einer Familie erzählt, deren dunkle Geheimnisse plötzlich nach und nach an die Oberfläche treten. Wir trafen den Jungschauspieler zum Interview.

Von großen Mainstream-Produktionen wie RUBINROT zum kleinen Indieprojekt JONATHAN – wie schwer fiel dir das?

Jannis: Das war eindeutig eine Umstellung. Doch mit Filmen wie EIN JAHR NACH MORGEN und VIER KÖNIGE gab es auch zuletzt schon Filme, die kleiner und persönlicher waren. Diese Filme haben eine andere Machart, weil man eine Geschichte mit einem sehr viel kleinerem Team und Budget erzählen muss.

Während viele junge Darsteller erst einmal in Kurzfilmen und Studentenfilmen spielen, warst du sofort bei großen Produktionen mit dabei. Wie hat sich das angefühlt?

Jannis: Super! Dadurch hat sich schnell großes Interesse aufgebaut und mir viele Möglichkeiten gegeben, unterschiedliche Dinge auszuprobieren. Sowohl Independentfilme wie JONATHAN zu machen, als auch in großen Produktionen wie HIGH SOCIETY mitzuwirken – das war immer mein Traum. Denn große Mainstream-Projekte übernehme ich ja jetzt nicht nur aufgrund der Chancen, um seinen Bekanntheitswert zu steigern, sondern weil sie einem auch eine ganz andere Leichtigkeit geben. Filme wie JONATHAN, VIER KÖNIGE oder „JUGEND OHNE GOTT sind einfach alles wahnsinnig intensive, aber eben auch anstrengende Filme, weil man sich mit so schweren Thematiken auseinandersetzen muss. Manchmal tut es dann total gut, an einem Set zu sein, wo die Charaktere eher nur klischeehaft ausgespielt werden müssen und es eher um den Spaß geht.

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Wenn man dich im Internet sucht, schlägt einem die Suchmaschine in Zusammenhang mit deinem Namen hauptsächlich Begriffe wie „Mädchenschwarm“ oder „Teeniestar“ vor. Würdest du dir wünschen, dass die Inhalte stärker im Vordergrund stehen?

Jannis: Das geht völlig in Ordnung, weil ich diese Zeitreise-Romanverfilmungen und viele andere Jugendfilme ja auch gemacht habe. Aber ich schaffe mir in meinem Beruf keine Befriedigung dadurch, was ich im Internet über mich finde, sondern ich konzentriere mich auf die Filme – zum Beispiel jetzt auf JONATHAN.

Jonathan ist eher ein Naturbursche. Passt das zu dir?

Jannis: Ich bin auf dem Land und einem alten Bauernhof aufgewachsen und kann ihn deshalb sehr gut nachvollziehen. Und handwerkliche Arbeit, die auf dem Land betrieben wird, sehe ich immer als wahnsinnig wichtig an.

Jonathans Freund Lasse sagt, dass er unbedingt nach Berlin will, da es dort „Empfang gibt“. Wie kam es, dass du das Land dann doch gegen die Großstadt eingetauscht hast?

Jannis: Ich wollte möglichst viele unterschiedliche Kulturen kennenlernen. Und wo findest du das am ehesten, als in Berlin? Lässt man sich darauf ein, lernt man Offenheit in seinen Grundsätzen kennen. Annähern, erfahren und beobachten war immer mein Anspruch, als sich das bei mir mit der Schauspielerei entwickelt hat. Berlin war für mich dafür die richtige Stadt.

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Eines der zentralen Themen des Films ist die Pflege von kranken Menschen im eigenen Zuhause. In diesem Fall kümmert sich Jonathan um seinen Vater. Konntest du auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen oder hast du glücklicherweise noch keine Erfahrungen dieser Art machen müssen?

Jannis: Das musste ich in diesem Umfang glücklicherweise noch nicht erleben. Ich kenne das aber natürlich schon, weil Leute aus meiner nahen Umgebung durch diese Zeiten gehen mussten. Das sind Themen, die einen als Jugendlichen bewegen. So auch die Frage nach den Geheimnissen in seiner eigenen Familie. Deine Eltern werden dir zwar nie komplett erzählen, was sie erlebt haben. Du willst es aber natürlich trotzdem gerne wissen, weil du dir ein ganzeinheitliches Bild von ihnen machen willst. Das kann jeder junge Mensch so nachvollziehen.

Was sind denn die Eigenschaften, die so junge Menschen wie Jonathan mitbringen müssen, damit sie nicht an einer solchen Aufgabe zerbrechen, den eigenen Vater kurz vorm Sterben zu pflegen, der zudem voller Geheimnisse steckt? 

Jannis: Aus diesen offenen Fragen zieht sich eine nicht zu definierende Kraft und Energie, das darauf hinausläuft, dieses Geheimnis lüften zu wollen, von dem man weiß, dass es existiert. Wenn man seine Familie liebt, dann geht das Leben irgendwie weiter. Das entscheidet man nicht, sondern das passiert automatisch.

Der Tod ist ein zentrales Thema im Film. Macht man sich eigentlich selbst über den Tod Gedanken, wenn man beim Dreh so sehr damit konfrontiert wird?

Jannis: Über den eigenen Tod mache ich mir keine Gedanken. Aber allgmein über den Tod und darum, wie man ihn zu bewerten hat. Wie man Abschied nimmt von Leuten und was der Tod ermöglichen kann. Welche Freiheiten da für Menschen liegen, die nicht sterben und diejenigen, die sterben müssen. Man muss das meiner Meinung aus mehreren Perspektiven sehen. Einerseits, wie die Familie damit umgeht. Dann, wie man die Schwere daraus verarbeitet und die Leichtigkeit wiederfindet. Und wie man zuletzt noch etwas Schönes aus der Trauer zieht.

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Dein Vater im Film wird von André Hennicke gespielt, der oft ganz extreme Charaktere verkörpert. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Jannis: Großartig! Er ist sowohl im Film, als auch als private Person ein ganz extremer Charakter, mit dem man umgehen muss. Ich liebe den Typen, weil der meinen Vater gespielt hat und weil wir uns gut verstanden haben. Und der dazu noch so richtig gelebt hat. Denn man hat nur dieses eine Leben. Für mich ist er deshalb definitiv ein Vorbild. Ein Geschichtenerzähler, den man nur anschauen muss und das Leben in ihm sieht!

Glaubst du, dass der Film eher ein Plädoyer für die Pflege zuhause ist oder will er das eigentlich gar nicht sein und nur die Geschichte erzählen?

Jannis: Ich glaube, das will er weniger sein. Die Geschichte, der Film, der Regisseur würden aber mit Sicherheit eine Haltung dazu einnehmen wollen. Zu den Grundwerten, dem Ländlichen, der Fürsorge und die Kraft, die eine Familie verströmen kann. Das sehe ich auch so. Als mein Opa sehr krank war, nachdem er gestürzt ist und dann drei Jahre von meiner Oma gehütet wurde. Das war das schönste für ihn und für uns. Anders finde ich es sehr schwierig.

Nochmals zurück zu die persönlich: Du hast schon oft gesagt, dass du gerne auch mal selbst Stoffe verfilmen willst. Sagen wir, ich gebe dir jetzt sofort zehn Millionen Euro für einen Film. Wovon würde er grob handeln und welches Genre würdest du wählen?

Jannis: Ich hätte wahnsinnig Lust einen Actionfilm zu drehen. Da bräuchte ich allerdings wahnsinnig viel Budget. Die Alternative wäre eine Familiengeschichte, die sich über einen langen Zeitraum spannt.

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Welche Rolle der Filmgeschichte wäre eigentlich perfekt für dich gewesen, wurde aber leider schon von Tom Hanks, Ryan Gosling oder Heiner Lauterbach verkörpert?

Jannis: Da fällt mir spontan BRONSON mit Tom Hardy ein. Der Film, wo er den berüchtigtsten Häftling Großbritanniens spielt. Ich meine, da verändert sich jemand körperlich und psychisch für seine Rolle. Das ist als Schauspieler auch mein Anspruch. In einer Rolle sowohl absolute Geisteskrankheit zuzulassen, aber gleichzeitig ein Charisma für den Charakter zu schaffen.

Welcher war der erste Film, den du im Kino je gesehen hast?

Jannis: Das war gemeinsam mit meinen Eltern AMY UND DIE WILDGÄNSE. Für mich der perfekte Einstiegsfilm fürs Kino, weil es große Kamerafahrten bietet, die die Wildgänse verfolgen, wie sie über New York fliegen.

Zum Schluss: beschreibe JONATHAN in 5 Begriffen.

#brodelnd #suchend #findend #Chaos #ungeboren

 

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