Kein Blues bei Hollywoods Filmkomponisten | ELMARS HOLLYWOOD

Not macht erfinderisch. Uralte Weisheit. Hollywood ist gerade erfinderisch. Wenn man die neue Liebe fürs Filme-Streamen „erfinderisch“ nennen kann. Nachdem Netflix das ja schon eine Weile betreibt – und jetzt auch der Letzte weiß, wie es geht. Aber „Erfindungen“ gibt’s schon. Elmar berichtete zuletzt, dass sich die Hollywood Foreign Press Association als Ausrichter der Golden Globe Awards darauf verständigt hat, dass Filme für eine Nominierung nicht mehr unbedingt in einem Kino gezeigt worden sein müssen. Und er vermutet, dass die Academy of Motion Picture Arts and Sciences für ihre Oscars wohl auch so etwas „erfinden“ werde. Andere Erfindungen? Autokinos. „Sprießen aus dem Boden“ wäre sicher übertrieben. Aber hier und da pop-uppen sie gerade auf. Mal sehen, für wie lange.

Aber es gibt auch Film-Branchen, denen ist das alles egal. Filmmusiker, Filmkomponisten. Die verbringen qua Beruf schon viel Zeit in selbstgewählter, weil kreativer „Quarantäne“. Elmar Biebl hat einen kleinen Rundruf gestartet, um zu fragen, ob denn alle noch genügend Notenpapier haben – und bei der Gelegenheit zu erfahren, wer gerade für was komponiert und mit welchen Tricks sich das Musiker-Business „as usual“ im Swing halten lässt.

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Stephan Temp: Portätbild

Am letzten Wochenende war so ein Tag, da wurde einem mal wieder schlagartig klar, wie eng Film und Filmmusik miteinander verbandelt sind. Und was das eine, wenn es gut gemacht ist, beim anderen bewirken kann. DIE REIFEPRÜFUNG von Mike Nichols ist so ein Ding. Lief am letzten Wochenende. Im Free-TV. Warum ich hier explizit den Namen des Regisseurs und nicht den des Hauptdarstellers (Dustin Hoffman) erwähne? Weil Nichols ganz, ganz viel damit zu tun hat, dass Paul Simon und Art Garfunkel große Teil des Soundtracks zu THE GRADUATE beisteuerten. Und dass Ben (Hoffman) nicht mit einer Mrs. Roosevelt das Hotelbett teilen musste. Roosevelt? Robinson? Könnt ihr alles in unserem Weekend-Tipp dazu nachlesen.

Die Geschichte von „Mrs. Roosevelt“ pardon „Robinson“ ist nur eine der vielen spannenden und oft überraschenden Geschichten, die sich oftmals hinter Filmmusiken und ihrer Entstehung verstecken. Da gibt es viel zu entdecken. Zeit zum Lesen haben wir ja im Moment.

Und zum Nachdenken auch. Darum denke ich auch gerade, dass man Elmar mal überreden müsste, uns die Auswahl der für ihn tollsten Filmmusiken, Scores, Soundtracks, Sampler vorzustellen. Und euch die Geschichten zu erzählen, die sich für ihn mit diesen Musiken verbinden. Derzeit ist ja gerade Ranking-Zeit: „Die zehn schönsten Endzeitfilme“, „Die zehn innigsten Kettensägenmassaker“ und so weiter, und so weiter. Ihr wisst schon. Der Bestenlisten-Wut sind momentan keine Grenzen gesetzt. Und Elmars Schallplatten- und CD-Sammlung müsste – gerade in Sachen Filmmusik – doch unermesslich groß und reich sein.

Der Film zum Soundtrack? Warum nicht? Not macht erfinderisch

Irgendwann wird die Krise natürlich auch die Musiker einholen. Zurzeit wird kein Film, keine einzige Szene gedreht. Jedenfalls nicht mit richtigen Menschen an richtigen Sets. Bei der Animation mag es anders aussehen.

Das heißt: Irgendwann gibt es ein Loch. Folgt eine Flaute. Ist nichts mehr da, was es zu vertonen, für das es was zu komponieren gibt.

Und wenn die Filmkomponisten in ihren stillen Hinterzimmern und opulent ausgestatteten Studio-Suiten sich davon überhaupt nicht beeindrucken lassen? Sondern einfach immer weiter komponieren, produzieren, einspielen? So, dass es am Ende einen Notenstau gibt – so, wie jetzt einen Stau der Filme, die fertig sind, aber einfach nicht im Kino gezeigt werden können?

Vielleicht gibt es dann in Zukunft den Film zum Soundtrack. Weil die Musik nun einfach schon mal da war. Not soll ja erfinderisch machen.

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