Netflix entzweit die Oscar-Academy | ELMARS HOLLYWOOD

Es wäre DIE Sensation gewesen. Der Höhepunkt eines langen Abends. Die Kategorie BEST PICTURE. Julia Roberts öffnet den roten Umschlag: „And the Oscar goes to … ROMA.“ Netflix ist am Ziel. Ganz oben. Aber: Die Sensation ist ausgeblieben. Dieses Mal. Noch. Eines aber hat Netflix schon geschafft: Eine Diskussion anzustoßen. Über das – überalterte? – Geschäftsmodell der Traumfabrik. Und, im selben Zusammenhang, über das Regelwerk der Oscars. Regeln, die zum Teil noch aus einer Zeit stammen, in der „Zweitverwertung“ überhaupt keine Rolle spielte. In der es keine DVDs und Blu-rays gab. Noch nicht einmal Fernsehen und das Streaming von Filmen schon mal gar nicht. Es ist eine Diskussion, die die Alten und Jungen, die Traditionalisten und Reformer, aneinandergeraten lässt. Die dazu führt, dass sich die Oscar-Academy in zwei Lager teilen könnte.

Netflix ist TV. Und für TV-Preise gibt es die Emmys. Meint Steven Spielberg.

Der Streit ist entfacht. BILD titelte: „Kampf der Giganten: Steven Spielberg will Netflix von den Oscars ausschließen“. Für den dreifachen Oscar-Preisträger, Produzenten und Regisseur (DIE VERLEGERIN, BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER, READY PLAYER ONE) ist die Sache klar: Filme, die für einen gewissen Zeitraum nicht exklusiv im Kino laufen oder gelaufen sind, haben bei den Oscars nichts zu suchen. Dürfen nicht nominiert werden. Sollen sich eigene Awards verleihen. Oder, da Steven Spielberg sie – wie im Fall Netflix – ohnehin „nur“ als Fernsehen versteht, eben bei den Emmys antreten. Hollywood-Experte Elmar Biebl erklärt euch in seinem Video Spielbergs Argumentation und den Sachverhalt. Aber er sagt auch, dass in der Oscar-vergebenden Academy of Motion Picture Arts and Sciences längst nicht alle derselben Meinung sind.

Wir werden von diesem Thema also noch viel hören, sehen und lesen in der nächsten Zeit. Denn unter den Tisch kehren, aussitzen oder mit Gummiparagraphen – sprich: Regeln, die sich in alle Richtungen dehnen lassen – lässt sich das durch die neuen Player im Studio- und Filmbusiness, neue Sehgewohnheiten und nicht zuletzt eine wachsende Kinoverdrossenheit überhaupt erst zum Thema Gewordene nicht. Die altehrwürdigen Filmpreise und -festivals werden sich etwas einfallen lassen müssen. Ein simples „Basta – das war schon immer so!“ reicht da nicht. Nicht in einer Zeit, in der auch die großen, traditionellen Major-Filmstudios ihre Ware den bisherigen Kino-Fans per Internet und (fast) frei Haus vors heimische Sofa liefern wollen. Man könnte fast schon sagen: Netflix sei Dank.

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