Reich und berühmt sein? Nee, danke! | UNVERBLÜMT

Sou Boujloud: Profilbild

Reich und berühmt

Ach, wär’ ich doch reich und berühmt! Ich könnte reisen, wohin ich wollte. Kaufen, was ich wollte. Überall würde ich erkannt werden … hach, das Leben wäre so …so … so … kacke! Ja, ganz genau: KACKE!

 

Was kostet die Welt?

Klar: Geld ist etwas (widerlich) Feines. Mit Geld können wir uns viele Wünsche erfüllen. Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir damit, zu arbeiten, um dieses Geld zu verdienen. Damit wir die übrige Zeit darauf verwenden können, dieses hart erarbeitete Geld wieder auszugeben und uns … „geld“ zu fühlen? Geld, Geld, Geld. Je öfter man es sagt, umso absurder klingt es.

Mit 14 hatte ich meinen ersten Job. Da verdiente ich im Monat so viel wie heute in weniger als einer Stunde. WHAT?! Entspannt euch, ich habe einmal die Woche Zeitschriften zugestellt. Mit 16 fing ich dann einen richtigen Aushilfsjob an, bei dem ich für eine Schülerin ziemlich gut verdiente. Von da an nahm ich kein Taschengeld mehr von meinen Eltern und beteiligte mich an der Miete für meine Dachgeschosswohnung in unserem Haus.

Das Verdienen von Geld gab mir ein Gefühl von Unabhängigkeit und Autonomität, die ich gerne gelebt habe. Das Gefühl, sich Dinge leisten zu können, ohne lange sparen oder die Eltern darum bitten zu müssen, war sensationell. Aber mit dem Geld wuchsen die Wünsche und der Lebensstandard. Und ehe ich mich versah, war am Ende des Gelds oft noch viel Monat übrig. Die Lösung? Ich musste mehr Geld verdienen! Und je mehr ich verdiente, desto weniger hatte ich vom Leben. Das wurde mir irgendwann bewusst.

Noch vor meinem Abi entschied ich mir, niemals in Vollzeit angestellt sein zu wollen. Ich wollte Freiheit. Aber genug verdienen, um ein entspanntes Leben zu führen. Ich will arbeiten, um zu leben, und nicht leben, um zu arbeiten. Ein riskanter Plan, der nicht immer gut ausgeht.

Heute bin ich 34 und noch immer dieser Ansicht. Und glücklicherweise konnte ich diesen Plan wahrmachen. Mit dieser Überzeugung robbte ich durch den Schlamm, überlebte Dürreperioden und lernte zum einen, wie es ist, nicht auf den Preis achten zu müssen, aber auch, wie gut Toast und Ketchup schmecken können, wenn ich mal pleite war.

In diesen schwierigen Zeiten kam oft der Gedanke auf, dass die Lösung aller Probleme sei, „einfach“ berühmt zu werden. Dann wäre man im besten Fall auch reich. Und das Leben wäre sorgenfrei und einfach perfekt.

Der Schein trügt

Zu Beginn meiner Studienzeit habe ich diveeeeeeeerse Jobs gemacht. Unter anderem war ich zeitweise die persönliche Assistentin eines damals 30-jährigen Multimillionärs. Er wohnte in einem mit teuren Möbeln vollgestopften Penthouse in Kölns angesagtestem Stadtteil. Im Groben bestand mein Job darin, sein Geld zu verprassen, indem ich außergewöhnliche Luxushotels recherchierte und für ihn buchte, ein Apartment ersteigerte oder Kunst fand, in die er investierte. Die meiste Zeit verbrachte er eingeschottet in seinem Penthouse. Wenn Musik von der Straße nach oben ertönte, schrieb er mir eine SMS und fragte, was in seiner Hood gerade Interessantes abgehe. Er ging selten vor die Tür. Wenn, dann bretterte er mit einem seiner Porsches durch die Gassen und verschwand irgendwohin, wo andere richtig reiche Menschen waren. Man blieb halt gern unter sich.

Wir aßen oft zusammen Mittag. Und meist gab es Spargelspitzen. Ja: Spitzen. Ihr müsst es euch so vorstellen: Da liegt ein Kilo Spargel auf seinem Teller, er setzt mit dem Messer an und köpft alle Spargel, um nur die Spitzen zu essen. Tja! Wer kann, der kann.

Ach ja, er hatte auch eine Freundin. Klassische Golddigger. Das kommunizierte er auch offen mit mir. Er sagte dazu, dass es ihm bewusst sei, dass sie nur wegen seines Gelds mit ihm zusammen sei. Aber das Bewusstsein darüber helfe ihm, besser damit umzugehen. Er schützte sich, wo es nur ging. Sie wusste nie, wie reich er wirklich war. Ich schon. Das hielt mich jedoch nicht davon zurück, ihm zu sagen, dass teure Einrichtungsgegenstände kein Indikator für guten Geschmack bedeuten.

Während ich das hier schreibe, wird mir wieder bewusst, wie absurd diese Zeit war. Wir waren so etwas wie Freunde. Und so liefen auch unsere Unterhaltungen. Eines Tages saßen wir wieder bei Spargelspitzen am Tisch und mein Handy piepste hin und wieder. Da sagte er etwas, das ich nie vergessen würde:
„Deine Freunde wollen dich deinetwegen sehen und nicht, weil du Geld hast. Es ist beneidenswert.“

Dann erst wurde mir bewusst, wie einsam er wirklich war. Rückblickend hatten wir wohl ein so freundschaftliches Verhältnis, weil ich wahrscheinlich die Einzige war, die sich von seinem Reichtum nicht beeindrucken ließ. Er hatte zwar Geld ohne Ende, wurde dadurch aber immer paranoider. Und somit einsamer.

Mit meinem Einstieg in die Film- und Fernsehbranche kamen zwangsläufig auch prominente Freunde hinzu. Ich war mal mit einem Schauspieler einen Kaffee trinken. Im Café nahm er sein Kaugummi aus dem Mund und legte ihn in den Aschenbecher. Es dauerte nicht lange, bis unser Tischnachbar TATSÄCHLICH fragte, ob er diesen Kaugummi haben könne, um ihn auf eBay zu versteigern. Das tat er zwar in einem scherzhaften Ton, aber wir wissen alle: Er meinte es ernst.

Man muss sich wohl entscheiden

Alles hat wohl seine Schattenseiten. Mit dem Berühmtsein erfährt man zwar Anerkennung und eine Egopolitur vom Allerfeinsten, allerdings gibt man sehr viel von seinem Leben her. „Mal eben im Pyjama zum Bäcker laufen“, ist da nicht mehr drin. Oder in der Imbissbude um die Ecke Pommes Rot-Weiß essen. Man wird beobachtet und beurteilt. Auf Schritt und Tritt. Jeder Gang vor die Tür könnte zu einer Foto-Story in der morgigen BILD werden. Unfreiwillig tut man es dann auch umgekehrt. Ist diese Person jetzt an mir oder an meiner Berühmtheit und meinem Geld interessiert? Wie fühlt sich echte Liebe an?

Kein Wunder also, dass man sich mit seinem Erfolg und Bekanntheitsgrad verändert. Man schlendert nicht mehr über den Flohmarkt oder durch die Einkaufsstraße, sondern lässt sich die Dinge besorgen. Oder geht in die teuren Boutiquen, wo man unter „seines Gleichen“ ist. Man isst nur noch in teuren Restaurants, um ungestört zu sein. Die Ausgaben steigen also proportional zum Bekanntheitsgrad. Und Bekanntsein bedeutet ganz und gar nicht, dass man nicht einsam ist. Im Gegenteil: Die bekanntesten Persönlichkeiten, die ich bislang kennenlernen durfte, sind meist die einsamsten. Und ich will niemals einsam sein.

Wie komme ich eigentlich auf dieses Thema? ROCKETMAN! Dieser Film über Elton John zeigt in einer wunderschönen Art und Weise, wie sich diese einsam-tragische Welt eines reichen und berühmten Menschen anfühlen kann. Absoluter Kinotipp!

Sou Boujloud

 

 

1 Kommentar
  1. Marius Kommentar

    Wow, was für eine tolle Anekdote aus deinem Leben. Sie passt wirklich zu der Grundthematik des Films. Geld macht nicht glücklich, nur einsam. Freue mich schon sehr den Film in Kino sehen zu können.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dir auch gefallen