Set Visits: Wie ich dieses stundenlange Warten vermisse! | ELMARS HOLLYWOOD

 
Ist doch komisch, dass man immer das am meisten vermisst, was man gerade nicht haben kann. Sonst immer – aber jetzt eben gerade mal nicht. Beispiel? Antje hat vor kurzem in ihrem Q&A darüber gesprochen, dass man als FilmjournalistIn oder KritikerIn manchmal Tage hat, an denen man sich drei Filme angucken „muss“. Ja: „muss“. Na und? Dreimal an einem Tag ins Kino – ein Traum! Werden einige sagen. Oder denken. Ist aber kein Traum. Nicht, wenn man hinterher auch noch ein gerechtes Urteil über die Filme – vor allem über den letzten – fällen soll. An solchen Tagen würde man gerne auf die eine oder andere Pressevorführung verzichten.

Und jetzt? Da fehlen sie einem. Seit Wochen. Seit Monaten. Die Kinos. Die Kollegen. Elmar Biebl geht es da nicht besser. Hollywood, die Film-Maschinerie, steht still. Hier und da ein Zoom-Interview. Papierkram in Form von E-Mails. Natürlich auch ein paar Online-Screener. Aber viel zu sehen gibt es nicht. Wird ja nichts mehr gedreht. Und da sehnt man plötzlich auch das herbei, was in normalen Zeiten zwar toll, aber eben auch enorm zeitraubend und oft genug viel weniger spannend ist, als es sich Otto Normalkinobesucher in seinen kühnsten Film-Fan-Träumen vorstellt: Set Visits, Besuche bei Dreharbeiten. Elmar kramt stattdessen einfach mal in seinem reichen Erinnerungsschatz …
 

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Stephan Temp: Portätbild

Set-Besuche, Drehort-Hopping, Film- und Studiotouren für Kino-Fans

Ende der achtziger Jahre gab es in Los Angeles, direkt irgendwo bei der Melrose Avenue um die Ecke (oder vielleicht auch um drei, vier Ecken herum), ein unscheinbares Büro in einem komplett unscheinbaren Bürogebäude, da bekam man gegen die Zahlung von 50 Dollar – ich glaube, es waren 50 Dollar – eine tagesaktuelle Liste aller Filmproduktionen und Drehorte, an denen im Raum Los Angeles an diesem Tag irgendetwas gedreht wurde. Filme, Serien … was damals ja noch ganz gewöhnliche TV- und noch keine Premium-Serien waren. Einfach eine Seite Papier, DIN A4 (okay … also das US-Pendant dazu), frisch aus dem Kopierer. Produktion, Adresse, soweit bekannt noch Darsteller. That’s it. Mit dem Ding in der Hand konnte man dann losziehen und sein Glück versuchen, ob man überhaupt irgendwo nah genug an die Film-Sets herankam, um vielleicht den einen oder anderen Blick auf ein bekanntes Gesicht aus Film und Fernsehen zu erheischen. Diese Adresse, dieses Büro, hatte ich – glaube ich – an der Hotelrezeption aus einem dieser Ständer gefischt, die immer vor Bergen von Flyern für Stadtrundfahrten, Ausflugsziele, Restaurants und irgendwelche Vergnügungsmöglichkeiten überquellen. Glück gehabt! Denn zum einen klappte es mit dem Set-Besuch … bei BAYWATCH … und dann sogar noch mit einem kurzen Smalltalk mit David Hasselhoff. BAYWATCH war da noch gar nicht in Deutschland zu sehen. Aber KNIGHT RIDER. Bei RTL Plus. Weshalb Deutschland auch da schon für Hasselhoff kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr war. Und Glück gehabt auch deswegen, weil es dieses kleine Büro mit seinen formlosen, aber irgendwie doch auch so wertvollen Zetteln schon lange nicht mehr zu geben scheint.

Dafür gibt es inzwischen aber eine Unmenge an Touren in Hollywood, durch Beverly Hills und Los Angeles, für die man sich nicht mehr vor irgendwelchen Flyer-Ständern in Hotellobbys herumdrücken muss, sondern die sich ganz bequem im Web finden und buchen lassen. Auch, wenn denen derzeit natürlich auch das Geschäft verhagelt ist: Irgendwann öffnen die Studios ja wieder. Werden die Dreharbeiten wieder aufgenommen. Und dann rollen sie auch wieder, zeigen und erklären. Vielleicht kann Elmar euch hier irgendwann mal einen Tipp geben, welche Touren ihr Geld wirklich wert sind – und wen man als Nepper und Schlepper lieber links liegen … nee: stehen lassen sollte.

 

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