Wir machen eine Welle | UNVERBLÜMT

Sou Boujloud: ProfilbildWir machen eine Welle

Sicherlich klingelt’s bei euch, wenn folgender Titel genannt wird. Da gibt es nämlich das Buch, welches die meisten von uns in der Schule lesen mussten, und dann war da auch noch ein überaus erfolgreicher Film aus dem Jahr 2008: DIE WELLE.

Vor wenigen Tagen startete eine neue deutsche Serie auf Netflix:  WIR SIND DIE WELLE. Tragisch aktuell befasst sich diese Produktion mit gesellschaftspolitischen Missständen und erzählt vom Aufbegehren junger, teils leichtsinniger und mutiger Jugendlicher, die die Schnauze einfach voll haben. Dabei sehen wir zu, wie eine einst demokratische Bewegung zunehmend anarchistischer wird.

Und da liegt die Frage doch sehr nah, wann man denn selbst zuletzt eine Welle gemacht hat?! Nun, es ja solche und solche. Damit meine ich einerseits die Sorte Mensch, die sich (lauthals) für die eigenen Interessen und/oder auch weniger starke Menschen einsetzt, weil sie sich nicht trauen oder nicht können oder es sie einfach nicht interessiert. Letzteres klingt absurd, aber schaut man auf diverse Wahlergebnisse in der Politik, sehen wir, woher manch ein Salat kommt.

Brauchen wir das? Jemanden, der eine Welle macht? Oder sollten alle still auf Veränderung hoffen oder sogar einfach hinnehmen, was mit ihnen geschieht?! Nun, hier ist meine persönliche Meinung: Niemand mag laute Menschen, die sich und ihr Umfeld aus der Komfortzone holen. Wellenmacher sprechen meist die Dinge aus, die alle wissen, womit sie sich aber nicht konfrontiert sehen wollen. Und on top kommt dann auch noch, dass Wellenmacher einfach nicht lockerlassen! Sie beißen sich fest und lassen erst los, wenn sie ihren Willen bekommen. Das mag mit einer gewissen Aggressivität verbunden sein, aber die Sache selbst muss dabei im Vordergrund stehen. Und die muss gut sein. Ich rede hier nicht von oberflächlicher Wichtigtuerei, sondern von potenziellen Veränderungen gewisser Missstände, die für eine bessere Zukunft essenziell sind.

16 Persönlichkeiten

Es gibt also über ein Dutzend kategorisierter Persönlichkeiten und alle haben ihre ganz individuelle Berechtigung. Nachdem ich diesen Test gemacht habe (ich empfehle, ihn jedes Jahr erneut zu machen, man verändert sich ja stetig), wurde meinem Umfeld und vor allen Dingen mir einiges klar. Ich bin nämlich ENTJ-A. Das E steht für Extrovertiertheit. Mit anderen Worten: Ich kann meine Klappe nicht halten. Vor allem dann nicht, wenn sich die innere Gerechtigkeitskämpferin meldet.
Kleine Anekdote: Vor vielen Jahren lebte ich in Köln. Zu dieser wunderbaren Stadt gibt es eine Facebook-Gruppe: das sogenannte „Nettwerk“. Wie der Name schon sagt, ist man in dieser Gruppe nett zueinander. Man hilft sich und teilt, verkauft oder tauscht sich einfach aus.
Eines Tages postete jemand einen außerordentlich unfairen, rassistischen Beitrag über jemanden, der sich weder im echten Leben noch m Netz dagegen wehren konnte. Ich erinnere mich nur noch vage, aber was ich noch weiß, ist, dass ich mit meiner Antwort einen beachtlichen Shitstorm auslöste. Der so weit ging, dass der Beitrag schließlich geschlossen wurde.
Wie gesagt, ich erinnere mich nur vage, aber dieser rassistische Beitrag fing mit den Worten „ich habe ja nichts gegen Ausländer, ABER …“ an. Meine Antwort darauf begann ähnlich mit „Ich habe ja nichts gegen dumme Menschen, ABER …“.
Trotz Drohungen und kollektiver brauner Anfeindungen hielt ich meine Fahne der sozialen Gerechtigkeit hoch. Hier und da wurden meine Antwortkommentare mit unauffälligen „Gefällt mir“ unterstützt. Besonders auffällig waren allerdings die Privatnachrichten, die mich parallel zu deröffentlich ausgetragenen Schlacht erreichten: heimliche Ermutigungen und Befürworter meiner ach so heroischen Ein-Mann-Kriegs-Show. Feiglinge! Das dachte ich. Aber irgendwie auch nett, dass sie mich ihr Gutheißen irgendwie – wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit – wissen ließen.
Und wie es mit schlechten Dingen so ist, kommen sie immer in Begleitung einiger guter Dinge. So lernte ich also vor über sieben Jahren einen guten Freund kennen, den ich sicherlich noch lange, lange so nennen werde (Hallo Mario <3). Das war übrigens kein Einzelfall. Man macht sich nämlich auch gute Feinde mit solch einer Art. Und manchmal verliert man auch. Nicht nur Diskussionen, sondern auch vermeintliche Freunde. Und Jobs. Aber wisst ihr was? Lieber ein Gefühl erfüllter Integrität im Bauch als das des Ärgerns über sich selbst.

Ich bereue nichts!

Sou Boujloud

 

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