Zwei Sex-Skandale und ein Deep Throat – diese Drei schrieben Filmgeschichte | ELMARS HOLLYWOOD

Er sei der Größte unter den Dialog-Schreibern… der Größte unter den Drehbuchautoren. Sagt Aaron Sorkin, der 2011 für sein Skript zu THE SOCIAL NETWORK (die Geschichte Facebook’s mit Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg) den Oscar und den Golden Globe überreicht bekam. Und im Laufe seines Beruflebens noch viel mehr glänzende und funkelnde Filmpreise – etwa für STEVE JOBS, für MOLLY’S GAME, für MONEYBALL oder THE WEST WING.

Aber Aaron Sorkin meint nicht sich selbst wenn er sagt und schreibt, er sei der Größte unter den Dialog-Schreibern… der Größte unter den Drehbuchautoren. Gemeint ist William Goldwin. ER, so Sorkin, ist der Größte. Und damit auch sein Vorbild… und wohl zeitlebens Lehrmeister. Dabei müsste es eigentlich heißen: Er war der Größte. Denn William Goldman ist am 16. November 2018 gestorben.

Bevor wir ihn in der bevorstehenden Award Season wahrscheinlich noch viele Male in den sogenannten In Memoriam-Filmen während der Preisverleihungs-Zeremonien wiedersehen werden, erinnert sich heute schon einmal Golden Globes-Juror Elmar Biebl des genialen Drehbuch-Texters – und gleich noch zweier in diesem November, nur wenige Tage nach William Goldman verstorbener Film-, Kino-, Leinwandgrößen: Der Regisseure Nicolas Roeg und Bernardo Bertolucci.

Preise-Sammler, Script-Doctor und notfalls sogar Nestbeschmutzer

BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID (deutscher Titel: ZWEI BANDITEN mit Paul Newman und Robert Redford), DER MARATHON-MANN (mit Dustin Hoffman und Roy Scheider), DIE UNBESTECHLICHEN (im Original ALL THE PRESIDENTS MEN mit Dustin Hoffman und Robert Redford), MISERY (mit Kathy Bates und James Caan): Hollywood hat William Goldman viel zu verdanken. Umgekehrt Goldman Hollywood natürlich auch. Was ihn nicht davon abhielt, mit der Filmindustrie auch schon mal hart ins Gericht zu gehen. In seinem Buch „Wer hat hier gelogen?“ verpackte er die These: „Nobody knows anything“. Was sich darauf bezog, dass niemand in Hollywood tatsächlich vorhersagen könne, welcher Film ein Erfolg sein würde. Sieht man sich die Liste seiner Erfolge an, lässt sich zumindest eines sagen: Das Wissen darum, wer einer der größten Drehbuchschreiber ist, war zumindest immer schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Ein rotes Mäntelchen, das Glucksen des Wassers: Einmal gesehen, nie vergessen

Wenn er nur auf den ganz großen Ruhm ausgewesen wäre, hätte er andere Filme gemacht. Machen müssen. Aber Nicolas Roeg drehte immer die Filme, die ER drehen wollte. Bei LAWRENCE VON ARABIEN (1962, Regie David Lean) war er der Kameramann der Second Unit. Das Wüstenepos gewann sieben Oscars – darunter den für die Beste Kamera. Bei DOKTOR SCHIWAGO legte er sich mit Lean an – und wurde gefeuert. Auch das ist Roeg. War Roeg. Der Regisseur und Kameramann starb am 23. November 2018. Unter seiner Regie gab Mick Jagger sein Leinwand- und Schauspieldebüt – 1970 war das, in PERFORMANCE. Da war der Rolling Stone gerade 27. Mit David Bowie schuf er DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL. Am meisten hängengeblieben dürfte aber sein legendärer Lagunenstadt-Horror WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (im Original DON’T LOOK NOW mit Donald Sutherland und Julie Christie). Ein durchaus auch religiöser Film – der vielleicht auch deshalb für eine kontrovers geführte Diskussion sorgte, die sich bei allen diskussionswürdigen Sinnbildern an nur einer Szene festmachte: Dem Sex der beiden Hauptdarsteller… der so eigentlich gar nicht im Drehbuch stand. Aber Roeg dachte, er würde vielleicht ein gutes Gegengewicht zum vorausgegangenen Streit zwischen Laura und John Baxter darstellen. Danke dafür, Nicolas Roeg.

In Zeiten von #MeToo würde er diese eine Szene sicher so nicht mehr drehen können

Wenn nach ihm etwas bleiben wird, dann sind es nicht nur seine grandiosen Filme. Sondern auch die Diskussionen um einige der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Seiner Szenen. Nur, dass Bernardo Bertolucci leider nicht mehr mitdiskutieren kann. Der große Mann des italienischen Kinos starb am 26. November 2018. Er war der Erste, der in Pekings Verbotener Stadt drehen durfte – und das, obwohl es für die kommunistischen Herrscher Chinas sicher kein unpikantes Thema war: Die Geschichte von Puyi. Er war DER LETZTE KAISER des riesigen Reiches. Bertoluccis Arbeit wurde 1988 mit neun Oscars bedacht – natürlich auch dem für die Beste Regie. Nicht einen einzigen Oscar gab es für DER LETZTE TANGO IN PARIS. Und trotzdem hat noch 46 Jahre nach der Kinopremiere jeder sofort ein Bild, nee: die Bilder vor Augen. Maria Schneider und Marlon Brando. Innigst miteinander vereint. Was damals schon für einen handfesten Skandal sorgte. Und heute – in Zeiten von #MeToo – wahrscheinlich SO nicht mehr gedreht werden dürfte.

Übrigens, Hollywood – da man manchmal ja (leider) den Eindruck gewinnen kann, dass euch nicht mehr viel (Neues) einfällt: Fünf Drehbücher soll William Goldman (sofern die Meldung stimmt) seit 2003 noch verfasst haben, von denen noch keines verfilmt wurde…

Kurz noch zu Elmars MUST SEE-TIPPS: Lediglich WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN ist streambar, und zwar bei Sky go. Die beiden anderen, BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID sowie DER LETZTE KAISER, gibt’s natürlich auch online – aber eben nur zu kaufen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dir auch gefallen