Eine Ode an die Liebe zum Film | UNVERBLÜMT

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Es gibt Filme, die habe ich schon während des Abspanns vergessen. Und dann gibt es Filme, die lassen mich nicht los. Nicht nach kurzer oder langer Zeit. Einfach gar nicht. Und sie lassen mich womöglich sogar niemals los. Sie beeinflussen tatsächlich auch mein tägliches Dasein. Mehr oder weniger. Und gerade wird mir bewusst, wie viel mehr diese Aneinanderreihungen von 24 Bildern pro Sekunde für mich bedeuten.

#FILMISTLIEBE

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr aus dem Kino geht und ein Gefühl von Aufgeregtheit und Motivation oder grenzenloser Traurigkeit im Bauch habt? Wenn wir 120 Minuten lang das Ergebnis monatelanger Arbeit an der Realisierung einer Geschichte – oder sagen wir: Vision – auf einer riesigen Leinwand sehen? Es ist dieses Aussteigen aus dem Alltag und das sich Hineinbegeben in eine Welt, die uns für eine gewisse Zeit (oder aber auch viel länger) rausholt. Egal wo wir sind.

Uhh, ich sehe schon: Diese Ausgabe wird ausgesprochen cheesy. Aber sei es drum. Eine Ode an die Liebe zum Film! Wenn Menschen hören, was ich beruflich mache, lautet die erste Reaktion meist: „Oh, dann triffst du ja viele Stars!“ Ja, stimmt. Und das ist auch aufregend. Aber was ich im Sinn habe, wenn ich von meiner Arbeit spreche, ist das Privileg, mich mit jenen Geschichten zu befassen, die von einem Autor geschrieben, einem Regisseur inszeniert, von Schauspielern dargeboten und hunderten von Crew-Mitgliedern möglich gemacht wurden.

#MIMIKRY

Ich denke, ich war acht Jahre alt, als ich meine ersten Erfahrungen mit den Konsequenzen des Einflusses eines Films auf das Verhalten eines Menschen, nämlich meines Bruders, zu spüren bekam. Ja: Zu spüren, denn anders könnte man einen Karatekick aus dem Hinterhalt nicht nennen. In einer meiner letzten Kolumnen habe ich es schon erwähnt: Die Sammlung sämtlicher Bruce-Lee-Filme meines Vaters war auch die meines Bruders. Und dieser konnte irgendwann nur noch Bruce Lee himself im Spiegel sehen. Und verhielt sich auch dementsprechend. Zum Glück hielt diese Phase nicht lang genug an, um mir einen offiziell anerkannten Schaden zu verpassen.

Ich selbst bin auf das Thema dieser Ausgabe gekommen, weil ich vor circa einer Stunde meinen DOWNTON ABBEY-Marathon beendet habe. In dieser Woche startet der gleichnamige Film in den Kinos. Da ich Interviews dazu führen sollte, sah ich den Film natürlich. Und dann erst fing ich – zunächst zu Recherchezwecken – mit dem Bingen der Serie auf Amazon an: sechs Staffen, 52 Episoden – und jede davon zwischen 50 und 120 Minuten lang.

Falls ihr – wie ich noch vor wenigen Wochen – noch nie von DOWNTON ABBEY gehört habt: Die Serie spielt im frühen 20. Jahrhundert auf einem herrschaftlichen Anwesen in Großbritannien, unweit von London entfernt. Worum es geht? Um das Leben der adeligen Familie und der Dienerschaft, die allesamt unter einem Dach leben. Es mag trocken klingen, aber, Leute: absolutes Suchtpotenzial!

Jedenfalls stelle ich fest, dass ich mich etwas „ordentlicher“ verhalte. Minimal, aber ich schaue mir unbeabsichtigt einiges aus der Serie ab. Wer mich kennt, weiß, dass ich manchmal eine ziemliche Ruhrpottschnauze habe. In meinen Texten findet man oft Worte wie „kacke“. Aber momentan gefällt es mir, etwas mehr wie eine Lady zu sein. Ich sage gerade „Verzeihung“ anstatt „’tschuldigung“ oder „sorry“. Ich trage momentan keine Jeans mit Löchern, meine Socken passen zueinander, und interessanterweise schminke ich mich dezenter als sonst.

Vor einigen Monaten hätte ich noch fest behauptet, dass ich das Haus NIEMALS ohne einen fein gezogenen Lidstrich verlassen würde. Eher würde ich keine Hose tragen! Aber seit letzter Woche setzte ich auf vornehme Dezenz. Und plötzlich wird man auf der Straße von einer völlig anderen Zielgruppe wahrgenommen. Und spätestens nach meinem Knigge-Kurs am Interview-Tag in London achte ich darauf, nicht wie ein Schluppi bei Tisch zu sitzen, die Gabel im richtigen Winkel zu halten und mit einer Eleganz zum Mund zu führen. Ach, das macht Spaß. Mal sehen, wie lange es anhält.

#IDIOTEN

Aber natürlich – wie kann es anders sein? – hat jede positive Seite auch eine schattige. Erinnert ihr euch an die Clowns-Welle, die überwiegend in den USA stattfand? Inspiriert von IT und der teilweise vorherrschenden Angst vor Clowns in der Gesellschaft, verkleideten sich Idioten als solche und erschreckten, ausgestattet mit Kettensägen und anderen Waffen, unschuldige Menschen. Ich weiß gar nicht, ob eine dieser Aktionen in die Hose ging und ein furchtbareres Ende nahm, als jemanden einfach nur zu erschrecken.

Als vor weniger als einem Jahr der Netflix-Film BIRD BOX mit Sandra Bullock herauskam, entstand kurze Zeit später die sogenannte „Bird Box Challenge“. Sich mit verbundenen Augen durchs Haus oder in der Öffentlichkeit zu bewegen – das ging einige Male ganz schön in die Hose. Hier ein Beispiel, mehr muss ich nicht beschreiben:

Polizei-Tweet
Polizei-Tweet

#INSPIRATION

Das Schönste jedoch ist, wenn Filme einen Grund geben, etwas an uns oder unserem Leben zum Besseren zu verändern. Ich erzähle euch von fünf meiner absoluten Film-Highlights, die eben dies in mir ausgelöst haben:

TOMB RAIDER

Ich war derart beeindruckt von Alicia Vikanders körperlicher Fitness, dass ich mit CrossFit und Bouldern anfing und einige Monate später mit einem Sixpack unter dem Shirt auf den Olymp kletterte. Der Film oder die Schauspielerin waren nicht die alleinigen Gründe meines kleinen Abenteuers. Aber eines führte zum anderen, und tatsächlich war es dieses Gefühl von Motivation und Beeindruckung, welche diese kleine Kettenreaktion auslöste. Ich glaube, ich sollte diesen Film noch einmal anschauen …

DIE FARBE LILA

Auch, wenn er nicht in meiner Zeit spielt, berührte mich die Situation der armen Miss Celie derart, dass ich mich mit der damit verbundenen Geschichte intensiver auseinandersetzte. Womöglich handle ich auch deshalb umso emanzipierter, als ich es vielleicht täte, hätte ich diesen Film mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle nie gesehen.

FORREST GUMP

Tom Hanks ist einfach einer der tollsten Schauspieler auf Erden. Er zeigte mir in diesem Film, dass des Lebens Glück nicht in Klugheit oder Reichtum liegt, sondern in einem reinen Herzen. Alles ist möglich, für jeden.

DER JA-SAGER

Tatsache: In der Silvesternacht 2012/2013 entschied ich, zu jeder Gelegenheit „Ja“ zu sagen, die sich mir eröffnen würde. Auch, wenn sie Veränderung und neue Lebenswege bedeutete. Und 2013 war, ohne Frage, ein außergewöhnlich ereignisreiches Jahr. Wäre ich damals beispielsweise einem anderen Credo gefolgt, säße ich jetzt nicht hier und tippte diese Zeilen. Denn mit der Entscheidung, für eine neue Fernseh-Show zu arbeiten, lernte ich die „richtigen“ Menschen kennen.

SCHINDLERS LISTE

Meine Güte … so ein furchtbar trauriger und gleichzeitig bestärkender Film. Nur, weil Milliarden von Fliegen Scheiße fressen (nun ist es doch passiert), haben sie noch lange nicht Recht. Anders denken und seinen eigenen Werten folgen ist ganz und gar nicht verkehrt!

In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal! <3

Sou Boujloud

 

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