Arielle, die schwarze Meerjungfrau – SKANDAL! | UNVERBLÜMT


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Arielle, die schwarze Meerjungfrau – SKANDAL!

Was dachte sich Disney 1989 eigentlich dabei, als der Konzern die (aus heutiger Sicht vielleicht sehr fragwürdige) Geschichte einer jungen Meerjungfrau schrieb, die für die Liebe ihre eigene Identität und Familie mitsamt Flossen gegen ein Leben mit einem charmanten, ihr nahezu unbekannten Prinzen an Land eintauscht?

ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU. Die siebte Tochter von Triton, König der Meere. Ein hübsches, naives und vor allem neugieriges Ding. Wir alle kennen diesen Film, und wir alle denken beim Namen Arielle an rote, lange Haare, große, blaue Augen und blasse Haut.

Nun befindet sich die Realverfilmung dieser Geschichte in Planung. Die Besetzung der Hauptrolle steht fest, und es handelt sich hierbei um eine, sagen wir mal, „unerwartete“ Wahl: Halle Bailey. Jung, talentiert und … schwarz. Letzteres löste sofort eine riesige Debatte aus:

Darf ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU, schwarz sein?

Allein diese Frage zu formulieren, fühlt sich irgendwie falsch an. Deshalb schaue ich zunächst einmal, was Menschen im Netz und in meinem direkten Umfeld dazu sagen. Und, Leute, ich sage euch: Tiefer kann meine Kinnlade nicht fallen.

Da gibt es Menschen, die damit argumentieren, dass es absolut unlogisch sei, unter Wasser dunkle Haut zu vermuten. Denn – Achtung – die Sonne strahle gar nicht so tief ins Meer, als dass man so braun werden könne. Wir schreiben das Jahr 2019, Freunde …

Jemand anderes klugscheißert, dass der Film ja wohl auf einem Märchen von Hans Christian Andersen basiere. Dieser sei bekanntermaßen Däne und deshalb folglich auch Arielle ja wohl dänischer Herkunft, und schwarze Däninnen gäbe es nicht. Oh. Mann. Viele weisen auf die optische Erscheinung von Arielle hin und prangern die Wahl der Hauptdarstellerin in der Realverfilmung als ganz großen Fehler an.

Zunächst einmal: mir persönlich war nie bewusst, dass Arielle eine „reale“ Herkunft hat. Für mich lebte sie UNTER DEM MEER, düdüdüdüü, UNTER DEM MEEEER. Und das Meer ist groß und hat keine Grenzen. Und, ähm, allein schon beim Wort Meerjungfrau sollte eine Debatte über Sinn und Unsinn vorbei sein.

Dann: Hans Christian Andersen hat mit keinem Wort die Haarfarbe von Arielle beschrieben. Disney hat es einfach so entschieden. Außerdem: Schwarze Menschen sind nicht wegen der Sonne schwarz! Unfassbar, dass ich das hier gerade geschrieben habe. Diese dumme Aussage bedarf doch eigentlich grenzenloser Ignoranz.

Und wenn wir schon dabei sind, mal so nebenbei: König Triton war ein Schlamperich. Attina, Alana, Adella, Aquata, Arista, Andrina und Arielle. Sieben Töchter. Sieben unterschiedliche Typen. Aber keine mit dunkler Haut, keine Asiatin. Na gut, da scheint der Herr einen bestimmten Typ zu haben. Nichtsdestotrotz zeigt die vorliegende Vielfalt neben der Tatsache, dass Triton mindestens vier Meerjungfrauen (oder Eier?) zur gleichen Zeit befruchtet haben muss, dass es auch unterschiedliche Typen unter Wasser gibt. Wie an Land.

Diversität liegt bei Disney im Trend

Es gibt einige Bewegungen, die darauf aufmerksam machen, dass sogar noch zur heutigen Zeit, also im 21. Jahrhundert, eine unfaire Chancenungleichheit herrsche. Araber, Asiaten und auch Rothaarige zählen zur Minderheit. Natürlich kam mir auch schon der Gedanke, dass man den Rothaarigen auf dieser Welt doch wenigstens Arielle lassen könnte. Aber Disney hat sich bei der Besetzung für die Realverfilmung für das Können und nicht die Optik entschieden. Und so, wie wir es uns in unserem eigenen Leben wünschen, wurde hier nach Talent und nicht nach Aussehen entschieden.

Schwarze Welle?

Das Augenmerk liegt augenscheinlich vielleicht auf schwarzen Schauspielern, weil sie eben sehr lange unbeachtet blieben. Und endlich dafür eingestanden wird, dies zu ändern. So langsam werden tragende, gute Rollen mit Nicht-Weißen besetzt. Endlich. Im neuen DER KÖNIG DER LÖWEN leihen zum Beispiel prominente Schauspieler Simba und Co. ihre Stimmen. Draufgeschaut: vier Weiße und acht Schwarze. Aber es sind nicht nur Schwarze. Mena Massoud (ALADDIN) gilt als einer der wirklich, wirklich wenigen Schauspieler arabischer Herkunft, die eine große Hauptrolle erhielten.

Es tut sich langsam etwas. Und ich glaube, das ist das Beste, was den jüngsten Generationen passieren kann. Denn ich hoffe, dass meiner fünfjährigen Nichte derartige Auseinandersetzungen erspart bleiben. Weil sie in einer medialen Welt aufwächst, in der Diversität selbstverständlich ist. Wir sind alle verschieden. Wie schön ist es, wenn die Unterhaltungsindustrie ein breites Spektrum bietet, damit sich jeder mit seinen Heldinnen und Helden identifizieren kann?

„Aber, aber!“ ich kann die Gegner auch ein Stück weit verstehen. Man hat seit dem Kindesalter dieses Bild der Arielle im Kopf und tut sich mit der Akzeptanz einer anders aussehenden Darstellerin schwer. Ähnlich passiert es uns doch auch, wenn ein Charakter einer Serie durch einen neuen Schauspieler ersetzt wird. Es ist ungewohnt, aber man kommt klar!

Ginge es hier um Schneewittchen, hätte ich wohl auch etwas dagegen. Denn dann würde eine dunkelhäutige Hauptdarstellerin absolut keinen Sinn machen. Während nämlich Schneewittchens Äußeres im Märchen beschrieben wird und auch eine wichtige Rolle spielt, wird Arielle mit keinem Wort explizit beschrieben.

Um meine Meinung zu dieser absurden Debatte abzuschließen: Was glaubt ihr eigentlich, wie Jesus in Wirklichkeit ausgesehen haben muss? Jetzt mal ehrlich. Geht man den Fakten nach und schlussfolgert logisch, war unser Sohn Gottes sicher kein hellhäutiger Typ. 😉

Sou Boujloud

 

% S Kommentare
  1. Leo Kommentar

    Stimme dem voll und ganz zu! Es ist einfach traurig so etwas in 2019 noch mitzubekommen.

    1. Sou Boujloud
      Sou Boujloud Kommentar

      Hey Leo!
      Oder?! Hoffen wir, dass es bald nur noch absurde Erzählungen aus der Vergangenheit sind.

  2. Hans Kommentar

    Ich habe die Diskussion um Halle Bailey als neue Meerjungfrau ebenfalls interessiert verfolgt, neben teilweise total unverständlicher Kritik von Leuten, die das Märchen scheinbar eins-zu-eins krampfhaft in die Realität übertragen wolle, gibt es da auch für mich einen Kritikpunkt, der meiner Ansicht nach begründet ist. Das Märchen kommt ja aus Dänemark, steht damit in einem mitteleuropäischen Kontext und spontan hätte ich ebenfalls bei Arielle nicht an eine dunkelhäutige Actrice gedacht. Ebenso wenig hätte ich für mich einen blonden Sindbad oder einen rothaarigen Aladin akzeptieren können, meiner Meinung nach wird da auf dem Altar einer missverstandenen Diversität etwas krampfhaft versucht lange benachteiligten, vor allen Dingen dunkelhäutigen Schauspielerinnen und Schauspielern, in Filmen Platz einzuräumen, wo sie unter Umständen etwas deplatziert wirken. Ähnliches habe ich mir auch schon bei der 2018 Verfilmung von “Robin Hood” gedacht, die angesiedelt im England des 12. Jahrhunderts , trotzdem an jeder Straßenecke schwarze Schauspieler auftauchen lässt. Ein gewisses Unverständnis an dieser Disney Entscheidung teile ich, den latent, teilweise virulent mitschwingenden Rassismus natürlich nicht. Aus dem Alter mir Märchenfilme anzusehen bin ich eh raus, ich wäre vielleicht ins Kino gegangen, wenn Halle Berry die neue Meerjungfrau gespielt hätte 😉

    1. Sou Boujloud
      Sou Boujloud Kommentar

      Lieber Hans, danke für deinen Kommentar!
      Diese Diskussion ist noch immer Thema in meinem Freundeskreis und ich merke auch, dass diejenigen, die so fest an dem ursprünglichen Bild der Arielle festhalten, ihren Unmut darüber nur ganz ganz vorsichtig formulieren. Denn, egal wie man es sagt, es klingt immer gleich “rassistisch”. Und du hast recht: es scheint eine Überkompensation zu geben, schauen wir doch nur auf die vor wenigen Tagen veröffentlichten Verkündung des womöglich neuen 007…

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