Berlinale 2017 | Vormittags im Berlinale Palast, abends mit einer Band on tour – Tag 2

Blick aus dem BERLINALE PALAST.

Eines hat die BERLINALE schon jetzt wieder mit uns gemacht – uns zum Frühaufsteher. Denn wer nicht einer der frühen Vorführungen der einzelnen Sektionen verpassen will, sollte sich schon um kurz vor halb neun morgens auf Schlangestehen einstellen. Aber bitte mit Kaffee & Croissant vom nebenan liegenden BERLINALE STREET FOOD MARKT und einem netten Plausch mit dem ein oder anderen Kollegen.

Was Richard Geres neuer Film THE DINNER verspricht, warum ein ungarischer Wettbewerbsbeitrag eine Empfehlung ist und was wir auf Tour mit einer Band namens WOLF ALICE erlebten und noch viel mehr vom 2. Tag erfahrt ihr hier:

“Wie fanden Sie eigentlich DJANGO?” – diese Frage stellen uns am Freitag mehrere Kollegen und es scheint, als würde der diesjährige Eröffnungsfilm die Presse in zwei Lager teilen. Eine, die sich vor allem an der Musik Django Reinhardts festhält und sich von dieser mitreissen ließ und eine, die wie wir im ersten Teil unserer BERLINALE-Berichterstattung uns emotional nicht in die Figuren hineinfühlen konnten. Aber egal, es geht weiter, muss weitergehen auf der BERLINALE und so bekommt man vom unbekannten, netten Kollegen rechts neben einem auch gerne mal Schokolade und Kaffee gereicht, wenn es heißt – Aufwachen in geselliger Filmpresse-Gemeinschaft um 9 Uhr morgens mit zwei Wettbewerbsfilmen in prächtiger BERLINALE PALAST-Kulisse, an dem tags zuvor wahrscheinlich noch bis in die Morgenstunden hinein eine rauschende Eröffnungsparty gefeiert wurde. Spürbar ist davon allerdings wenig. Nur die Internationale Jury um Paul Verhoeven, Julia Jentsch und Maggie Gyllenhall verspätet sich bei unserer 2. Vorführung ein wenig, sodass die Pressevorführung zu THE DINNER mit Richard Gere sich dann doch ums akademische Viertel verspätet. Ungewöhnlich für die BERLINALE, aber auf die Jury wartet man ja gerne. Und das ist es auch, was die BERLINALE ja so besonders macht. Hier gibt’s keine Grenze zwischen Presse, Regisseuren, Schauspielern und Publikum. Hier schaut man alle Filme entweder gemeinsam oder gar nicht. Jubelt oder leidet. Feiert oder entspannt sich. Hauptsache: Kino. Hauptsache: So viele Filme schauen wie möglich und nicht wie nötig. Auf der Suche nach der einen Perle. Des nächsten großen Hits. Aber vor allem auf der Suche nach dem neuen, potentiellen Gewinner des Goldenen Bären:

TESTRÖL ÉS LÉLEKRÖL – ON BODY AND SOUL / SEKTION WETTBEWERB

Body And Soul / Copyright: Berlinale 2017

Früh aufstehen lohnt sich am Freitag tatsächlich. Denn der ungarische Wettbewerbsbeitrag TESTRÖL ÉS LÉLEKRÖL ist eine wirklich schöne Liebesgeschichte zwischen Einsamkeit und Zweisamkeit, verortet an einem Schauplatz der emotionalen Kälte – einem Schlachthaus. Dabei wechselt Regisseurin Ildiko Enyedi immer wieder zwischen allegorischen Traumsequenzen mit Annäherungsversuchen zweier Hirschen in schneeweißbedeckter Natur mit kalten Bildern aus dem Schlachthaus, in der zwei Mitarbeiter im Umfeld maschineller Tier-Abfertigung die Suche nach emotionaler Nähe schrittweise lernen zu begehren und zu fühlen, sich aufeinander einzulassen und zu berühren, sich zu lieben und aus dem Käfig emotionaler wie sozialer Isolation auszubrechen. Erzählt in ruhigen, intensiven, manchmal auch sehr schmerzerfüllten Bildern, in denen die Traumsequenzen mit den Hirschen zwar immer ein Rätsel bleiben, ihre Wirkung in der Erwartung der Erlegung der Hirsche durch einen Gewehrschuss aber nie verliert.

Weitere Vorstellungen:
11.02. 09h30 Friedrichstadt-Palast
11.02. 21h00 Bundesplatz-Kino
11.02. 21h30 Friedrichstadt-Palast
13.02. 18h30 Haus der Berliner Festspiele
19.02. 12h30 Friedrichstadt-Palast

THE DINNER / SEKTION WETTBEWERB

The Dinner / Copyright: Teusco Holdings Ltd.

Richard Geres THE DINNER dagegen enttäuscht uns kurz danach so ziemlich. Eigentlich hätte der Film um das Dinner zweier Paare, in denen Richard Gere und Steve Coogan zwei konkurrierende Brüder spielen und ihre gemeinsamen Söhne in ein schreckliches Verbrechen verwickelt sind, ein intensives Kammerspiel kulinarischer Größe werden können. Doch der Film kann sich zu keiner Zeit in eine Richtung entscheiden. Will er mit den flapsigen Kommentaren Steve Coogans am Tisch lustig wirken? Will er mit seinen Bemerkungen über die Selbstverständlichkeit der Macht eines Politikers und die Ängste der Familie um den Verlust von Ansehen und Ruhm sozialkritisch wirken? Will er Drama oder Komödie sein? Wir wissen es auch nach dem Screening nicht, wunderten uns ob der sehr konfusen Inszenierung von Regisseur Oren Moverman doch sehr und fragten uns, warum sich PRETTY WOMAN Richard Gere  so einen Film antut. Dabei las sich die Beschreibung doch wie ein Kammerspiel á la DER GOTT DES GEMETZELS…. Ein enttäuschender Reinfall.

Weitere Vorstellungen:
11.02. 12h30 Friedrichstadt-Palast
11.02. 18h30 Haus der Berliner Festspiele
11.02. 18h30 Friedrichstadt-Palast
15.02. 12h00 Haus der Berliner Festspiele

ON THE ROAD  / SEKTION GENERATION

On The Road / Copyright: Berlinale 2017

Viele Worte gibt es auch nicht  zu ON THE ROAD, dem Eröffnungsfilm der Sektion GENERATION,  von Regisseur Michael Winterbottom zu erzählen. Allerdings nicht  wegen fehlender Qualität, sondern vielmehr, weil man sich in dieser Dokumentation einfach mitreißen lassen muss von  der Leidenschaft einer Indierockband namens WOLF ALICE und ihrer Tour durchs Vereinigte Königreich. ON THE ROAD ist somit kein typischer Eröffnungsfilm für jedermann, allerdings für all jene sehenswert, die gute Indierock-Musik lieben, 2 Stunden ein wenig Fame leben wollen und sehen wollen, was eine Band tagtäglich ertragen muss und welche kräftezehrenden Anstrengungen sie auf der Tournee ausgesetzt sind, um das zu leben, was sie lieben: Musiker zu sein.

Weitere Vorstellungen:
19.02. 20h00 Haus der Kulturen der Welt

 

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