Hellboy – Call Of Darkness: Daniel Schröckerts Kritik | FRISCHE FILME

Kennt ihr die Szene aus dem SIMPSONS-Film, in der Homer an einer Abrissbirne hängt? Wenn er gegen diverse Dinge knallt, zwischen Saloon und Felsen hin- und herdonnert, permanent schreit, irgendwann von der Kugel schmiert und sie am Ende auf ihn kracht? Das ist HELLBOY – CALL OF DARKNESS.

HELLBOY – CALL OF DARKNESS: laut, hektisch, prollig, brutal

Daniel Schröckert: ProfilfotoHELLBOY (David Harbour, unter anderem STRANGER THINGS) ist Homer, die Abrissbirne ist der Film. Nicht im Bild erkennbar sitzt Regisseur Neil Marshall an den Steuerknüppeln und dirigiert den Bums. Ein Streifen für Zwölfjährige, den sie erst in sechs Jahren schauen dürfen. Laut, hektisch, prollig, brutal und von permanentem Expositions-Talk durchsetzt.

Kurz zur Struktur: Erklärung, Gewalt, Action, Spruch, Erklärung, Gewalt, Action, Spruch, Erklärung, Gewalt, Action, Spruch, Erklärung, Gewalt, Action, Spruch – fertig. Plus: Die deutsche Synchro ist furchtbar. Schade für Harbour, ein paar andere Kreaturen und einige Bilder, die wirklich gut sind.

Zum Beispiel die Baba-Yaga-Hexe, die echt schön eklig aussieht. Oder ihr Haus auf Beinen, das so gut wie die einzige Kulisse ist, die noch ein wenig von Guillermo del Toros Geist atmet. Ich kann auch mit dem Monster-Eber Gruagach gut leben, der hat seinen optischen Reiz. Und, ja, für einen Gore-Bauern wie mich ist das hier schon eine kleine Offenbarung: XXL-Monster werden auseinandergepflückt wie Legosteine, Gesichtshäute vom Schädel gepellt wie das Papier eines Lutschers und Menschen wie Chips-Tüten in zwei Hälften zerrissen – so, dass ich ihre Gedärme ergießen wie bei einem umgestülpten Marmeladenglas.

HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Hellboy und seine Mitstreiter schießen auf ihre Gegner. Vor ihnen liegt eine mit einem Stab durchbohrte Leiche.
Leichen, Gedärme, Blut – in HELLBOY – CALL OF DARKNESS geht es wenig zimperlich zu. © Universum Film

So ein Höllenbraten: kalkuliert und anstrengend pubertär

Zur Erklärung: Ich mag Neil Marshall. Von DOG SOLDIERS (2002) über THE DESCENT – ABGRUND DES GRAUENS (2005) bis GAME OF THRONES (2012, 2014). Ich bin sogar überzeugter Fan von DOOMSDAY – TAG DER RACHE (2008). Aber: Wo dieser Film noch eine gewisse Greifbarkeit hatte und sich mit ehrlicher Lust und Laune durch DIE KLAPPERSCHLANGE, MAD MAX oder BRAVEHEART plünderte, ist HELLBOY – CALL OF DARKNESS vor allem eins: kalkuliert. Aber eben für zu viele Zielgruppen.

Die Effekte bewegen sich eigentlich nie weit weg vom Level der RESIDENT EVIL-Filme oder eines THE LAST WITCH HUNTER. Das gilt auch für die Story, die Gags, die Oneliner, die Glaubhaftigkeit der meist digitalen Schauplätze und die Dialoge. Das alles wirkt nie unschuldig naiv. Nur anstrengend pubertär. Aber es ist eben nicht für Teens gemacht, sondern für Erwachsene.

HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Regisseur Neil Marshall sitzt in einem Auto hinter einem Kontrollmonitor. Ein Mitarbeiter steht neben dem Auto. Beide blicken auf den Monitor.
HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Regisseur Neil Marshall bei der Arbeit. © Universum Film

CGI-Kackwürste statt Gefühl

Damit könnte ich immer noch leben, fehlte nicht eine Sache komplett: Gefühl. Ein Gefühl für Stimmungen oder die Welt; Gefühle unter den Figuren oder das Außenseiter-Gefühl, das del Toro so hervorgehoben hatte und hier nur als Randnotiz erscheint. Vor allem die Beziehung zwischen „Vater” und „Sohn“ ist ein Witz: Die beiden pöbeln, blöken, dissen und schreien sich permanent an. Aber irgendwann soll ich glauben, dass sie sich eigentlich lieben. Sorry, nein, das zieht bei mir nicht. Erst recht, wenn einer der emotionalsten Momente in Verbindung mit einer furchtbar billigen wie hässlichen CGI-Kackwurst steht, die aus dem Mund (!) einer dritten Person wabert.

Das alles ist echt schade. Auch, weil der Film eigentlich ein gutes Tempo vorlegt und nie richtig langweilig wirkt. Aber er wirkt dann auch mehr wie das Abhaken von Stationen. Wie eine Collage aller Cutscenes eines Videospiels. Oder eben wie eine Abrissbirne, an der HELLBOY klebt und die in jede neue Szene kracht. Immer ein wenig wahllos. Genau wie die Musikauswahl, die mal mit Muse angeben will, aber auch die Scorpions auf Spanisch abfeuert.

HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Alice Monaghan (Sasha Lane), Hellboy (David Harbour) und Ben Damio (Daniel Dae Kim) stehen auf einer Straße und schauen ratlos.
HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Alice Monaghan (Sasha Lane), Hellboy (David Harbour) und Ben Damio (Daniel Dae Kim) schauen genauso ratlos wie Schröck nach der Pressevorführung. © Universum Film

HELLBOY – CALL OF DARKNESS: Schrei nach del Toro

Ich werde dem Fantasy-Gulasch dennoch eine weitere Chance auf Englisch geben. Zum einen, weil Ian McShanes deutsche Stimme schon fast unverschämt ist. Zum anderen, weil viel von Harbour – der sich hinter seiner Kasperletheater-Maske wirklich um Mimik bemüht – einfach verloren geht. So löst HELLBOY – CALL OF DARKNESS bei mir erst mal nur zwei Emotionen aus: Die Sehnsucht nach einem dritten Höllenjungen-Abenteuer von Guillermo del Toro, das es vermutlich niemals geben wird. Und Dankbarkeit für seine beiden bisherigen Adaptionen.

Daniel Schröckert

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Filmdaten: HELLBOY – CALL OF DARKNESS

HELLBOY – CALL OF DARKNESS
Originaltitel: Hellboy
Genre: Action, Fantasy
Darsteller: David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane
Regie: Neil Marshall
Kinostart: 11.4.2019

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Hellboy – Call of Darkness

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