Netflix vs. Kino | UNVERBLÜMT

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Kino statt Streaming

Welcher Film war der erste, den ihr im Kino gesehen habt?
Ich bin mir sicher, die meisten von euch erinnern sich noch! Und wahrscheinlich auch an die Aufregung und das Gefühl, sich in einen dieser flauschigen Sitze fallen zu lassen. Diese riesige Leinwand, die Stimmung in der Luft. Kino war etwas Besonderes. Damals fanden erste Dates im Kino statt. Für viele ist es heute leider nicht mehr so.

Wenn ich ins Kino gehe, lasse ich den ganzen Alltag draußen. Das Handy muss ausgeschaltet werden. Außerdem hat man in den Tiefen der Kinosäle sowieso keinen Empfang. Es bleibt einem also gar nichts anderes übrig, als mit voller Konzentration auf die Leinwand zu schauen.

Wann passiert das heute noch?

Dass mein Netflix-Konsum schon zu einem pathologischen Problem geworden ist, habe ich vor einiger Zeit berichtet. Bis heute hat sich nicht viel geändert: Ich streame noch immer wie eine Bekloppte und kann mich danach selten an Einzelheiten erinnern. Kein Wunder! Denn neben dem Streamen mache ich tausend andere Dinge und lasse mich gerne zwischendurch ablenken.

Muss ich mich denn entscheiden?

Es macht den Anschein, dass man sich in unserer Gesellschaft zwischen Streaming und Kino entscheiden müsse. Wieso eigentlich? Für mich sind es zwei völlig verschiedene paar Schuhe! Wenn ich streame, konsumiere ich. Aber Kino! Kino ist etwas ganz anderes. Kino ist etwas Größeres. Etwas, das in Zeiten der schnelllebigen, „modernen“, alles-muss-praktisch-und-parallel-zu-anderen-Dingen-erlebbar-sein-Gesellschaft in Vergessenheit zu geraten droht.
Auch, wenn die Zahl der Kinobesucher statistisch gesunken ist, bin ich der festen Überzeugung, dass die Sehnsucht nach Kino und allem, was es zu bieten hat, wiederkehren und das Kino vor dem Aussterben bewahren wird. Vielleicht bin ich altmodisch. Aber ich betrachte das Kino wie richtige Bücher oder das Theater: Sie sind irgendwie … echter.

Verliebt, verlobt, verheiratet und was DER HERR DER RINGE damit zu tun hat

Kino hat auch eine tief romantisch-schöne Bedeutung für mich, weil meine Schwester und mein Schwager, die für mich der Inbegriff von Liebe sind, alle drei Teile der DER HERR DER RINGE-Trilogie mit mir zusammen im Kino angesehen haben. Beim ersten Teil waren sie verliebt. Beim zweiten verlobt. Und als wir den dritten Teil sahen, waren sie verheiratet.
Aus dieser Ehe sind zwei zuckersüße Kinder entstanden. Mit meinem ältesten Neffen pflege ich seit einigen Jahren eine kleine Tradition: Sobald ich ein paar Tage in meiner Heimatstadt zu Besuch bin, gehen wir zusammen ins Kino. Und dort gibt es das volle Programm: Limo, Nachos und Popcorn! Diabetes-Party, sag’ ich euch. Aber da unsere Kinobesuche eher seltener Natur sind, darf das auch mal sein.
Und immer, wenn ich da bin, hat mein neunjähriger Neffe bereits ausgecheckt, was im Kino läuft. Diese Tradition hat sich irgendwie so entwickelt. Und ich freue mich auf die Zukunft, wenn ich graue Haare habe und ich mit meinem dann erwachsenen Neffen ins Kino gehe. Volles Programm? Volles Programm! Bis es keine Kinos mehr gibt. Also für immer.

Kino ist Erlebnis!

Zu Beginn habe ich es schon teilweise beschrieben: Wenn ich ins Kino gehe, beginnt das Erlebnis schon beim Gang dorthin. Ich entscheide mich bewusst und mit meinem Körper, einen bestimmten Film anzusehen. Ich atme die süße Popcorn-Luft im Foyer ein. Ich liebe diese riesige Leinwand, die Beschallung von allen Seiten. Tuschelnde Menschen, die bei Beginn des Films hoffentlich dann aber die Klappe halten werden. Ich genieße die ganze Atmosphäre. Ich liebe es, müde aus dem Kinosaal zu treten und die Gedanken und Gefühle, welche ein GUTER Film in mir ausgelöst haben, mit nach Hause zu nehmen.

Denn Kino ist nicht nur Filmeschauen. Kino ist ein echt schönes Gefühl.

Sou Boujloud

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Streaming statt Kino

Okay. Wir geben es zwar nicht gerne zu, aber meine Generation wird durch die Digitalisierung immer fauler. Warum denn auch ins Kino gehen, um den neuen Marvel-Film zu gucken, wenn ich stattdessen einfach meinen Laptop aufklappen kann, mich dann nur noch bei Netflix einloggen muss, mir die acht Euro für das Kinoticket spare und gemütlich auf meinem Bett einen anderen Film schauen kann? Marvel ist eh nicht so meins. Zudem kann ich den gestreamten Film jederzeit und je nach Laune vor- oder zurückspulen. Sonst kann ich ihn auch ganz abbrechen, falls er mir nicht gefällt oder meine Konzentrationsspanne – die laut meinen Eltern durch meine ständige Handy-Nutzung sowieso schrumpft – für die Filmlänge von 90 oder sogar 120 Minuten nicht ausreicht.

Streaming: praktisch, zeitsparend, bequem

Während die Kinosäle immer leerer werden und die Ticketpreise steigen, wächst die Zahl von Streaming-Dienst-Nutzern (und dadurch natürlich auch Anbietern) immer weiter. Vor allem die Jüngeren neigen eher zum Streamen. Auch ich gehöre zu denen, die lieber zu Hause auf dem Laptop einen Film gucken, anstatt ins Kino zu gehen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Es ist viel praktischer, zeitsparender (und Zeit haben wir immer zu wenig!) und auch bequemer als ein Kinobesuch. Netflix und Co. bieten ein großes und vielfältiges Sortiment an Filmen, die man jederzeit abrufen kann – dank Download-Möglichkeit sogar unterwegs und ohne WLAN.

Kino: geringe Auswahl, zu viel Werbung

Dagegen ist die Auswahl im Kino viel geringer und nur auf bestimmte Zeiten begrenzt. Klar, dafür sehe ich den Kinofilm gleich zum Kinostart und muss nicht erst warten, bis er auch online erhältlich ist. Nur: Lohnt sich das wirklich? Ist es das wirklich wert? Meiner Meinung nach nicht, denn wie die meisten in meinem Alter warte ich dann eher gespannt auf die nächste Folge meiner Lieblingsserie, die natürlich auch bei Netflix läuft. Oder bei einem anderen Streaming-Anbieter. Eine weitere Sache, die ich durch das Abrufen von Filmen übers Internet umgehe, ist die 20-minütige Werbung, die immer vor einem Kinofilm läuft. Nach jedem Werbespot denkt man: JETZT fängt der Film endlich an. Aber dann kommt doch nur die nächste Langnese-Eiswerbung.

Nachos, Geraschel und Smartphones

Eines gebe ich jedoch zu: Wenn ich dann mal im Kino lande, verstehe ich natürlich auch, was andere Leute daran so schätzen. Man taucht einfach für zwei Stunden komplett ab. Wie gebannt starrt man auf die riesige Leinwand, genießt den Sound und vergisst dabei Zeit und Raum. Sofern das inmitten der Käse-Nacho-Schwaden, des Popcorn-Geraschels und überall leuchtender Mobiltelefonbildschirme überhaupt möglich ist.

Trotz dieser Erkenntnis bleibe ich beim Streaming!

Anna von der Groeben

 

 

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