Oscars 2021 | Die Preisträger

 

Da soll mal einer sagen, bei den Award Shows der Neuzeit gäbe es ja keine echten Überraschungen mehr (okay… ja… letztes Jahr: PARASITE als bester Film). Hätte fast für die 93. Academy Awards auch gegolten… jedenfalls bis ungefähr Viertel nach Fünf – und damit bis zum letzten Moment. In dem Moment verkündete Joaquin Phoenix nämlich den Gewinner des Oscars für den besten Hauptdarsteller: Anthony Hopkins für THE FATHER. Nicht Chadwick Boseman für MA RAINEY’S BLACK BOTTOM. Und – zack – war die Verleihung beendet. Keine Chance mehr, verwunderte Blicke zu ergattern. Geschweige denn, sich selbst ungläubig die Augen zu reiben. Fazit: Nicht enden wollende Dankesreden gab’s zwar reichlich. Ansonsten könnte man die Oscars 2021 aber auch mit KEINE ZEIT FÜR GEFÜHLE überschreiben.

Aber von vorne: 23 statt 24 Nominierungen gab es dieses Mal. Weiß Gott, warum. Corona-bedingt war NATÜRLICH alles anders. Warum es allerdings über weite Strecken den Charakter eines Tanztees mit Tischtelefon brauchte… weiß wahrscheinlich nicht mal Gott. Zumal es der Academy ja gelungen war, doch einige Big Names zu versammeln – bei denen aber irgendwie nicht so die rechte Feierlaune aufkommen wollte. Aber vielleicht stand ja auch in den Einladungen gedruckt „Festliche Garderobe und gedecktes Gesicht“. Steven Soderbergh, Brain hinter dem Konzept der (warum eigentlich an zwei Locations in L.A. stattfindenden?) Veranstaltung sollte vielleicht doch weiter Filme drehen. Shows wie DENN SIE WISSEN NICHT, WAS PASSIERT sind nicht so sein Ding. Wobei: Vielleicht werden ja – im Interesse weiterer Oscar-Verleihungen – auch erst im Debriefing (auf deutsch: Flurschelte) noch solche Fragen geklärt oder im Nachhinein erklärt, warum es in einem Jahr, in dem ein durchschnittlicher, aber durchaus filminteressierter TV-Zuschauer nicht gerade allzu viele nominierte Filme schon jemals zuvor gesehen zu sehen bekommen hat, warum es also ausgerechnet in solch einem Jahr so gut wie keine Filmausschnitte zu sehen gab, die einem den Sinn und Wert der vergebenen Trophäen erschlossen hätten. Selbst da, wo es wirklich ganz allein um Sehenswertes ging – etwa bei den Rubriken Beste virtuelle Effekte, Bestes Kostüm oder Bestes Produktionsdesign – gab es nichts zu sehen. Nada. Dafür aber „Anmoderationen“ der Laudatoren zu hören, die es mit jeder Ratesendungs- oder Datingformat-Kandidatenvorstellung hätten aufnehmen können. Ach ja: Eine Art Pubquiz gab es auch noch – auf dessen Höhepunkt sich Glenn Close dazu verleiten ließ, ordentlich mit ihrem Allerwertesten zu wackeln. Weil ihr anscheinend niemand gesagt hatte, dass gerade gar keine Werbeinsel lief?

Was noch? Frances McDormand kann wie ein Wolf heulen. Und Ehemann Joel Coen im Hintergrund auf dem Sofa machte auch nicht den Eindruck, als würde ihn das erstaunen. PARASITE-Vorjahresgewinner Bong Joon-ho kann immer noch kein Englisch. Oder er findet einfach die hübsche Dolmetscherin zu nett, die schon während der letztjährigen Award-Season nie von seiner Seite wich. „OscarSoWhite“ kann nach diesen Oscars eigentlich keiner mehr behaupten. Die ganz großen Filme, so richtige Abräumer, scheint es nicht mehr zu geben. Wenn wir richtig mitgezählt haben, dann ist keiner der vormals Nominierten auf mehr als drei Preise gekommen – auch nicht MANK, der mit zehn Nominierungen ins Rennen gegangen war. Und um wieder zum Anfang zurück zu kommen: Außer dem Nicht-Oscar für Chadwick Boseman gab es keine Überraschungen. Alles same same wie bei den in den letzten Wochen stattgefundenen Verleihungen des Award Season 2021.

Ein großer Prophet braucht man nicht zu sein, um vorauszusagen, dass die TV-Quoten auch in diesem Jahr nicht gerade Freudensprünge bei den Verantwortlichen auslösen werden. Und die Diskussion um den Sinn und die Aussagekraft derartiger Filmpreise und Filmpreis-Verleihungen sicher nicht leiser wird. Aber das mit den „people of colour“ haben sie ja schon mal hinbekommen. Regisseurinnen und Autorinnen waren auch schon ganz ordentlich vertreten. Beim besten Film standen diesmal nicht mehr die Produzenten zuvorderst an der Bühnenkante – sondern die Regisseurin und ihre Hauptdarstellerin. Und den einen Punkt in Sachen Gleichberechtigung werden sie bei der Academy schon auch noch hinbekommen: Dass nämlich als allerletztes – also in der neuen Königskategorie – nicht der beste Hauptdarsteller ausgezeichnet wird, sondern die beste Hauptdarstellerin. Ein wenig Luft nach oben muss ja nichts Schlechtes sein.

 

And the Oscar goes to: Das sind die Preisträger 2021

Best Picture
THE FATHER
JUDAS AND THE BLACK MESSIAH
MANK
MINARI
Winner: NOMADLAND
PROMISING YOUNG WOMAN
SOUND OF METAL
THE TRIAL OF THE CHICAGO 7

Actor in a Leading Role
Riz Ahmed – SOUND OF METAL
Chadwick Boseman – MA RAINEY’S BLACK BOTTOM
Winner: Anthony Hopkins – THE FATHER
Gary Oldman – MANK
Steven Yeun – MINARI

Actress in a Leading Roll
Viola Davis – MA RAINEY’S BLACK BOTTOM
Andra Day – THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY
Vanessa Kirby – PIECES OF A WOMAN
Winner: Frances McDormand – NOMADLAND
Carey Mulligan – PROMISING YOUNG WOMAN

Actor in a Supporting Role
Sacha Baron Cohen – THE TRIAL OF THE CHICAGO 7
Winner: Daniel Kaluuya – JUDAS AND THE BLACK MESSIAH
Leslie Odom, Jr. – ONE NIGHT IN MIAMI
Paul Raci – SOUND OF METAL
Lakeith Stanfield – JUDAS AND THE BLACK MESSIAH

Actress in a Supporting Role
Maria Bakalova – BORAT SUBSEQUENT MOVIEFILM
Glenn Close – HILLBILLY ELEGY
Olivia Colman – THE FATHER
Amanda Seyfried – MANK
Winner: Yuh-Jung Youn – MINARI

Directing
Thomas Vinterberg – ANOTHER ROUND
David Fincher – MANK
Lee Isaac Chung – MINARI
Winner: Chloé Zhao – NOMADLAND
Emerald Fennell – PROMISING YOUNG WOMAN

Animated Feature Film
ONWARD – Dan Scanlon & Kori Rae
OVER THE MOON – Glen Keane, Gennie Rim & Peilin Chou
A SHAUN THE SHEEP MOVIE: FARMAGEDDON – Richard Phelan, Will Becher & Paul Kewley
Winner: SOUL – Pete Docter & Dana Murray
WOLFWALKERS – Tomm Moore, Ross Stewart, Paul Young & Stéphan Roelants

Animated Short Film
BURROW – Madeline Sharafian & Michael Capbarat
GENIUS LOCI – Adrien Mérigeau & Amaury Ovise
Winner: IF ANYTHING HAPPENS I LOVE YOU – Will McCormack & Michel Govier
OPERA – Erick Oh
YES-PEOPLE – Gísli Darri Halldórsson & Arnar Gunnarson

Writing (Adapted Screenplay)
BORAT SUBSEQUENT MOVIEFILM – Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Dan Swimer u.a.
Winner: THE FATHER – Christopher Hampton, Florian Zeller
NOMADLAND – Chloé Zhao
ONE NIGHT IN MIAMI – Kemp Powers
THE WHITE TIGER – Ramin Bahrani

Writing (Original Screenplay)
JUDAS AND THE BLACK MESSIAH – Will Berson, Shaka King / Kenny & Keith Lucas
MINARI – Lee Isaac Lucas
Winner: PROMISING YOUNG WOMAN – Emerald Fennell
SOUND OF METAL – Darius & Abraham Marder / Darius Marder, Derek Cianfrance
THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 – Aaron Sorkin

Cinematography
JUDAS AND THE BLACK MESSIAH – Sean Bobbitt
Winner: MANK – Erik Messerschmidt
NEWS OF THE WORLD – Dariusz Wolski
NOMADLAND – Joshua James Richards
THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 – Phedon Papamichael

Documentary Feature
COLLECTIVE – Alexander Nanau & Bianca Oana
CRIP CAMP – Nicole Newnham, Jim LeBrecht & Sara Bolder
THE MOLE AGENT – Maite Alberdi & Marcela Santibáñez
Winner: MY OCTOPUS TEACHER – Pippa Ehrlich, James Reed & Craig Foster
TIME – Garrett Bradley, Lauren Domino & Kellen Quinn

Documentary Short Subject
Winner: COLETTE – Anthony Giacchino & Alice Doyard
A CONCERTO IS A CONVERSATION – Ben Proudfoot & Kris Bowers
DO NOT SPLIT – Anders Hammer & Charlotte Cook
HUNGER WARD – Skye Fitzgerald – Michael Scheuermann
A LOVE SONG FOR LATASHA – Sophia Nahli Allison & Janice Duncan

Live Action Short Film
FEELING THROUGH – Doug Roland & Susan Ruzenski
THE LETTER ROOM – Elvira Lind & Sofia Sondervan
THE PRESENT – Farah Nabusi
Winner: TWO DISTANT STRANGERS – Travon Free & Martin Desmond Roe
WHITE EYE – Tomer Shushan & Shira Hochman

International Feature Film
Winner: ANOTHER ROUND – Denmark
BETTER DAYS – Hongkong
COLLECTIVE – Romania
THE MAN WHO SOLD HIS SKIN – Tunesia
QUO VADIS, AIDA? – Bosnia and Herzegovina

Film Editing
THE FATHER – Yorgos Lamprinos
NOMADLAND – Chloé Zhao
PROMISING YOUNG WOMAN – Frédéric Thoraval
Winner: SOUND OF METAL – Mikkel E. G. Nielsen
THE TRIAL OF THE CHICAGO 7 – Alan Baumgarten

Sound
GREYHOUND – Warren Shaw, Michael Minkler, Beau Borders & David Wyman
MANK – Ren Klyce, Jeremy Molod, David Parker, Nathan Nance & Drew Kunin
NEWS OF THE WORLD – Oliver Tarney, Mike Prestwood Smith, William Miller & John Pritchett
SOUL – Ren Klyce, Coya Elliott & David Parker
Winner: SOUND OF METAL – Nicolas Becker, Jaime Baksht, Michelle Couttolenc, Carlos Cortés & Phillip Bladh

Production Design
THE FATHER – Peter Francis / Cathy Featherstone
MA RAINEY’S BLACK BOTTOM – Mark Ridder / Karen O’Hara & Diana Stoughton
Winner: MANK – Donald Graham Burt / Jan Pascale
NEWS OF THE WORLD – David Crank / Elizabeth Keenan
TENET – Nathan Crowley / Kathy Lucas

Music (Original Score)
DA 5 BLOODS – Terence Blanchard
MANK – Trent Reznor & Atticus Ross
MINARI – Emile Mosseri
NEWS OF THE WORLD – James Newton Howard
Winner: SOUL – Trent Reznor, Atticus Ross & Jon Batiste

Music (Original Song)
Winner: Fight For You – JUDAS AND THE BLACK MESSIAH
Hear My Voice – THE TRIAL OF THE CHICAGO 7
Husavik – EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGE
Io Sì (Seen) – THE LIFE AHEAD (LA VITA DAVANTI A SE)
Speak Now – ONE NIGHT IN MIAMI

Makeup and Hairstyling
EMMA – Marese Langan, Laura Allen & Claudia Stolze
HILLBILLY ELEGY – Eryn Krueger Mekash, Matthew Mungle & Patricia Dehaney
Winner: MA RAINEY’S BLACK BOTTOM – Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal & Jamika Wilson
MANK – Gigi Williams, Kimberley Spiteri & Colleen LaBaff
PINOCCHIO – Marl Coulier, Dalia Colli & Franceso Pegoretti

Costume Design
EMMA – Alexandra Byrne
Winner: MA RAINEY’S BLACK BOTTOM – Ann Roth
MANK – Trish Summerville
MULAN – Bina Daigeler
PINOCCHIO – Massimo Cantini Parrini

Visual Effects
LOVE AND MONSTERS – Matt Sloan, Genevieve Camilleri, Matt Everitt & Brian Cox
THE MIDNIGHT SKY – Matthew Kasmir, Christopher Lawrence, Max Solomon & David Watkins
MULAN – Sean Faden, Anders Langlands, Seth Maury & Steve Ingram
THE ONE AND ONLY IVAN – Nick Davis, Greg Fisher, Ben Jones & Santiago Colomo Martinez
Winner: TENET – Andrew Jackson, David Lee, Andrew Lockley & Scott Fisher

 

 

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