Star Wars – Episode 1: Die dunkle Bedrohung: Wenn der Schröckert mit dem Sohne | KINO TO GO

Wir wussten: Der Tag wird kommen. Nachdem der KRIEG DER STERNE eine Neugier entfacht hat, DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK zu unheimlich und zu traurig war und DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER mit Boba Fett, Jabba, Han im Karbonit, den Ewoks, dem Imperator (endlich) und dem echten Gesicht von Vader (noch mehr: endlich) die Wogen wieder glätten konnte, war es an der Zeit für STAR WARS – EPISODE 1: DIE DUNKLE BEDROHUNG. Mein Sohn wollte schließlich wissen, „wie es weitergeht“, was vorher war und warum Papa auf eine Geschichte steht, die so komisch erzählt wird. Ich bin inzwischen fein mit EPISODE 1. Nur stören mich auch zehn Jahre nach meiner letzten Sichtung immer noch die gleichen Dinge. Ungeachtet der Anteile, die ich mag.

STAR WARS – EPISODE 1: DIE DUNKLE BEDROHUNG: Sinnlos im Weltall

Der Moment auf dem Kommandoschiff, wenn Qui Gon sein Lichtschwert in die Panzertür rammt und die Droidekas angerollt kommen, ist immer noch Gänsehaut. Das Pod-Rennen ist immer noch mindestens ein Ohrgasmus, reißt mich aber auch ansonsten immer wieder mit. Und erklingt das „Duel Of The Fates“, wandert immer noch ein ehrfürchtiger Schauer durch meinen Körper, während eines der choreografisch attraktivsten Lightsaber-Duelle der Saga über die Netzhaut tanzt, kickt, springt und schlägt. Die Sache ist: Selbst diese drei großartigen Phasen sind durchsetzt von all den stilistischen und inhaltlichen Entscheidungen, die mich schon damals irritiert haben und nicht abholen konnten – und die mich auch heute noch irritieren oder immer noch nicht abholen.

Und ich will jetzt hier nicht den ganzen Katalog runterbeten, den die Jungs von RedLetterMedia oder eben Mr. Plinkett so argumentativ unumstößlich erarbeitet haben. Mir geht oder ging es nie ernsthaft um die Sinnlosigkeit der Story, in der eine mehrtägige Handelsblockade nicht nur einen ganzen Planeten, sondern gleich den kompletten galaktischen Senat aus der Bahn wirft. In der eine Handelsföderation lieber mit ihrer eigenen Armee (?) einen Schattenkrieg für einen Hologramm-Kapuzen-Strippenzieher führt, ohne auch nur irgendwas dafür in Aussicht gestellt zu bekommen, anstatt bürokratisch gegen die Besteuerung der Handelsrouten vorzugehen, von der sie in einer ohnehin korrupten Republik vermutlich mehr profitieren als alle anderen. In der zwei Jedi-Ritter per Zufall auf den unbefleckt erhaltenen Auserwählten treffen, ihn per Wett-Mauschelei aus der Sklaverei befreien und dann in einen Krieg zerren, den er fast ahnungslos und allein entscheidet.

Nein, mich haben schon immer ganz andere Dinge ge- und verstört. Unter anderem dieser elende Maximierungswille von George Lucas. Dass Figuren jetzt 10, 20, 50 Meter weit springen, anstatt – wie vorher – höchstens fünf. Dass ein Raumschiff, das über einem Planeten abgefeuert wird, nicht mehr 30 Meter in die Tiefe fällt, sondern 3000. Dass die Pod-Racing-Tribüne größer als ein Sternzerstörer sein muss, damit sich das gesamte Outer Rim plus Touristen darauf versammeln können, obwohl es in keiner Relation zu dem kargen, spärlich besiedelten Wüstenplaneten steht, den wir zuvor durch die Mos Eisley-Cantina oder andere Orte dort kennengelernt haben. Dass da „always a bigger fish“ ist. Das Greifbare, das Warme, das Intime im großen Ganzen – es ist nahezu verblasst.

Daneben schmerzt mich einfach der Inhalt des Crawls. Damit sind abermals nicht die Story und die Logik gemeint, die er auslöst. Oder solche Details wie die zwei Jedi-Ritter, von denen einer noch gar kein Jedi-Ritter ist. Damit meine ich diese Besteuerung der Handelsrouten. Jetzt ernsthaft: Das soll der Grund für alles sein? Für dieses tragische, Kriege entfachende, Welten vernichtende, zahlreiche Opfer kostende Familiendrama über kosmische Mächte, edle Ritter, finstere Legionen, Monarchen, Rebellen, Schmuggler, Roboter oder Monster, das so viele Legenden, Abenteuer und vor allem drei Filme hervorgebracht hat, die für mich der heilige Gral meiner Filmjugend waren. Steuern? Endmadige Steuern? Wie unterwältigend, unglorreich und ungeil kann man eine Saga starten?

Doch etwas schlimmer war und ist immer noch: Es fühlt sich alles so blank, so leer, so leblos und egal an. Ja, das mag auch an den CGI-Bildern liegen, die damals zwar State of the Art, aber immer noch nicht so völlig geil waren und inzwischen eben gnadenlos veraltet sind. Aber es liegt vor allem an der These, die auch die Herren von RLM so niederschmetternd hervorgehoben haben: Es gibt keine wirkliche Hauptfigur. Anakin war mir damals zu jung und läuft dann auch erst irgendwann nach 40 Minuten laschig ins Bild. Obi-Wan und Yoda nölen oder nörgeln rum, während sie die meiste Zeit abseits von allem agieren. Padme sieht aus wie Natalie Portman, obwohl uns doch gesagt wurde, dass sie Königin Amidala spielt. Und Qui Gon? Qui Gon is da, verhält sich irrationaler und unedler als jeder Jedi, den ich mir über all die Jahre vorgestellt habe, und will am Ende Mitgefühl von mir abfragen, das er sich gar nicht erst erarbeiten konnte. Wie auch? Es wird einfach zu viel verhandelt.

Beeinflusst von all den zuvor genannten Dingen konnte ich damals, als 23-Jähriger, mit keiner dieser Figuren wirklich etwas anfangen. Trotz Yoda, der erst als Puppe so merkwürdig starr oder steif wirkte und dann plötzlich ein CGI-Gnom mit besserer, aber eben kälterer Mimik war. Trotz R2 und C3P0, die kaum Gelegenheit bekommen, ihre Chemie auszuspielen. Trotz Obi-Wan, der mich mit seiner Kampfkunst zwar beeindrucken, aber eben nicht berühren konnte. Und so, wie Furcht und Wut und Hass zu unsäglichem Leid führen, führten Steuern und Übertreibungen und Digitalitätswahn und blasse Figuren zu unsäglicher Lethargie. Ich. Fand. Es. Langweilig. Die drei Sequenzen zu Beginn des Texts mal ausgelassen.

Und als wäre all das nicht schon genug Abfuck, kommt Lucas noch mit den (schon beim Schreiben krieg ich Juckreiz) Midi-Chlorianern um die Ecke. Der finale Mittelfinger. Mitten ins Gesicht gedrückt. Was hatte ich dir getan, George? Ein Mikro-Organismus, der sich in allen lebenden Zellen befindet und uns den Willen der Macht mitteilt? War meine Fantasie oder Lust an Mystik und Magie nicht mehr gut genug für dich? Konntest du meine Liebe für all das nicht mehr spüren? Musstest du unbedingt auch das dekonstruieren? Diese unvergleichliche Macht, gegen die die Fähigkeit, einen ganzen Planeten zu vernichten, nichts ist? Ich war echt bedient.

STAR WARS: eine Ersatzfamilie

Aber ich wurde älter, gelassener, vielleicht weiser – und habe den Film dann doch noch mindestens 17 Mal gesehen. Es ist eben dann doch STAR WARS. Wenn man erst mal etwas so nah an sich rangelassen hat, ist die Summe, das Gesamtgefühl, irgendwo wichtiger oder entscheidender als schwache oder enttäuschende Einzelheiten. Es mag schwülstig klingen, aber es war vor Urzeiten wie eine Ersatzfamilie, in die man sich reinadoptiert hat. Wann immer ich wollte, wann immer ich sie brauchte: Sie war für mich da. Und ab 1999 wurde sie eben größer – durch einen notwendigen Onkel, eine nervige Cousine und diesen entfernten Vetter zweiten Grades namens EPISODE 1, der auf die Spitzenidee kam, die Familien doch mal zusammenzuführen. Ich habe gelernt, mit dieser Familie zu leben. Ohne zu ahnen, was da noch alles folgen sollte. Zum Beispiel, was die Eingeheirateten einmal mit dem Familienerbe anstellen werden. Oder eben, wie es sein wird, diese Filme noch einmal mit dem eigenen Kind zu erleben.

Mein bisheriges Fazit: Es ist großartig. Es brauchte einige Gespräche und Zeit, um meinem Sohn darauf einzustellen, was er sehen wird und dass wir diese Geschichte nicht in ihrer „richtigen“ Reihenfolge sehen werden. Und wir haben uns nach jedem Film der Original-Trilogie noch einmal hingesetzt, um darüber zu reden, was er gesehen und verstanden hatte, was er unheimlich oder echt witzig fand und wie dieses Universum oder seine Gimmicks funktionieren. Nachdem ihm nun EPISODE 6 all das geben konnte, worauf er sich gefreut hatte (Jabba, die Ewoks, einen neuen Todesstern, Luke gegen Vader, den Imperator), war ich nun doch echt gespannt, wie er auf THE PHANTOM MENACE reagieren würde. Und was diese Reaktion mit mir oder dem Film machen würde.

EPISODE I: Mit Sohn und zeitlichem Abstand besser als 1999

Believe it or not: Sie machte den Film besser. Und konnte mich sowohl erstaunen als auch euphorisieren. Zwei Regungen, die ich schon lange nicht mehr mit EPISODE 1 in Verbindung gebracht hatte. So war ich zum einen darüber erstaunt, wie George Lucas auch nur eine Sekunde daran glauben konnte, dass Kinder einem Kinderfilm über Handelsblockaden, Steuern, Senatsanhörungen und nutzlose Scheinidentitäten ernsthaft folgen können. Also, dass ein Sechs-, Sieben- oder Achtjähriger wirklich den gesamten Zinnober versteht, den er da verzapft. Und zum anderen war es erstaunlich zu sehen, wie sehr die Politik meinem Sohn am Arsch vorbeigeht. Der hatte mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zum Beispiel, dass da jemand wie der Imperator aussieht, aber gar nicht der Imperator sein soll. Oder dass Anakin zu sehr wie Luke aussieht, weshalb er ihn bis zur Endschlacht auch nur Luke genannt hat.

Darüber hinaus war er völlig drin. Und das war nicht nur die reinste Freude. Es hat meine Haut zum Kribbeln gebracht. Alle Figuren und Fahrzeuge, die er schon in Form von Lego gesehen hatte, wurden direkt kommentiert. Mit großen Augen bestaunte er die Donut-Raumschiffe, Gungan City oder die Seemonster. Beim Pod-Rennen wurde laut gejubelt, als sich Anakin vor Sebulba setzt, der zwar den krasseren Flitzer hatte, aber ein „Schummler-Boy“ war – die Manipulation an Anis Podracer hat ihn echt fertiggemacht. Dafür konnte – stark bleiben – Jar Jar Binks auf ganzer Linie überzeugen. Spätestens nachdem er die „Rogers“ mit dem verhedderten Überrest eines ihrer Kameraden zusammengeschossen hatte und mit den eigenen Gungan-Bällen auf das Panzerrohr geknallt war, stand fest: „Das ist kein Jedi-Meister, das ist ein Witze-Meister”. Und für ihn war die Hauptaufgabe des Films, dass Ani zum Jedi wird. Oder eben zum Jedi-Orden gebracht wird. Schließlich hat Obi-Wans Meister zweimal gesagt: „Er ist der Auserwählte“.

Nimm. Das. George. Und hol dir auch gleich noch ein wenig Respekt von mir ab. Denn hinter all diesen verschwurbelten Ideen und verhängnisvollen Entscheidungen stecken dann doch das Abenteuer, genug Zauber oder die Kraft, um kleine Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Um sich selbst in diesen Kinderaugen wiederzufinden. Und um sich von ihrer Begeisterung anstecken zu lassen. Deshalb haben wir uns gemeinsam beim Pod-Rennen in die Kurven gelegt. Deshalb waren wir beide beseelt, als Anakin, R2, Jar Jar und Padme erstmals in ihrem Schiff aufeinandertreffen. Und deshalb bekam ich eine Gänsehaut, als er laut „Ani, Ani, Ani“ rief, während dieser durch das zerberstende Kommandoschiff sauste, das er mit zwei Torpedos zum Kollabieren gebracht hatte.

Duel of The Fates: Mittendrin im Kampf gegen Darth Maul

Doch der wahre Magic Moment war abermals das „Duel of the Fates“. Das Tor ging auf, Darth Maul stand einfach nur da, der Chor setzte ein und mein Sohn war hingerissen. Er sagte mir danach, dass das die beste Szene war, die er jemals gesehen habe. Also nicht nur in den STAR WARS-Filmen, sondern von allen Filmen, die er bisher kennt. VAIANA ist zwar immer noch der bessere Film, hat aber keine Szene, die so gut ist. Die Musik, die Bilder, der Kampf: „Das hat alles so gut zusammengepasst. Das hat sich angefühlt, als wäre ich mittendrin.“ Als Vater, Kino-Enthusiast und Filmbesprecher ging mir in diesem Moment einfach nur das Herz auf. Dass das mein Sohn ist, der solche Sachen sagt, ob nun durch seine Eltern inspiriert oder nicht, macht mich sehr glücklich. Vor allem, weil er die Musik immer wieder hervorgehoben hat. Deswegen sei an dieser Stelle auch noch einmal festgehalten: John Williams, you’ve done a man’s job, sir.

STAR WARS – EPISODE 1: DIE DUNKLE BEDROHUNG: Danke, Tom!

Was Lucas dagegen getan hat, bleibt mir auch weiterhin ein Rätsel. Eines, bei dem ich immer noch mit dem Kopf schütteln muss. Eines, das sich so überladen wie unnahbar anfühlt. Eines, das zu sehr auf seine Technik und zu wenig auf die selbst geschaffene Magie vertraut. Aber eben auch eines, mit dem ich nun ein wieder bisschen besser leben kann. Und dafür sage ich: Danke, Tom.

PS: Falls sich jemand noch fragen sollte: Toms bisheriger Lieblingsteil ist DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER. „EPISODE 1 ist aber ein besonders guter Teil wegen des Kampfs gegen Darth Maul. Ohne den Kampf wäre er nur ein guter Teil.“

Daniel Schröckert

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STAR WARS: EPISODE 1 – DIE DUNKLE BEDROHUNG
Originaltitel: Star Wars: Episode 1 – The Phantom Menace
Genre: Sci-Fi, Abenteuer, Fantasy
Darsteller: Liam Neeson, Ewan McGregor, Natalie Portman, Jake Lloyd, Ian McDiarmid
Regie: George Lucas
Kinostart: 19.08.1999, Wiederaufführung: 09.02.2012
DVD-/Blu-ray-Release: 17.09.2004 / 4K: 30.04.2020
Streambar: Disney+

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