KINO TO GO | Leon – Der Profi

Steven Gätjens DVD-Kritik zu Leon – Der Profi von 14.06.2016

Da ich beim letzten Mal chronologisch vorgegangen bin, mache ich das auch weiterhin. Deswegen folgt nun: LEON – DER PROFI aus dem Jahr 1994. Der Film, der allgemein als einer der besten des Franzosen gilt. Wenn nicht sogar als der beste. Er erzählt von der Freundschaft zwischen dem Auftragskiller Leon und der 12-jährigen Mathilda. Deren Eltern wurden vom psychopathischen Cop Stansfield und seiner Crew ermordet. In ihrer Not wendet sich das Mädchen an den Nachbarn, der am Ende ihres Hausflures wohnt. Und Leon lässt sie rein. Der Beginn einer einzigartigen Beziehung, in der ein Mörder einem Mädchen nicht nur das Töten lehrt.

Aber die beiden sind auch ein Grund dafür, dass der Film so gut und beliebt ist. Jean Reno stellte Leon bewusst als emotional unterdrückten und geistig etwas langsamen Mann dar, um dem Zuschauer ganz klar zu machen, dass er keine Bedrohung für Mathilda ist. Dass es für ihn undenkbar ist, sie emotional wie körperlich auszunutzen. Deswegen überlässt Leon oder Reno auch in fast allen emotionalen Szenen Natalie Portman oder eben Mathilda die Kontrolle. Das Resultat ist einer der liebsten, aber eben auch coolsten Auftragskiller der Filmgeschichte.

Tja, und Natalie Portman ist einfach eine Wucht. LEON – DER PROFI war ihr Filmdebüt. Obwohl sie mit 11 Jahren zuerst für zu jung befunden wurde, entschied sich Besson für sie, nachdem er ihre Probeaufnahmen sah, in denen Mathilda um ihren Bruder trauert. Damit war der Traum für 1999 andere Mädchen geplatzt. Es gab nur ein Problem: Portmans Eltern. Sie wollten nicht, dass Mathilda raucht. Die Folge war ein Deal mit Besson, der besagte, dass sie nur in 5 Szenen mit Kippe zu sehen ist, Rauch weder inhaliert, noch ausatmet und das Rauchen sogar aufgibt. All das wurde genauso umgesetzt und in der Szene vor dem italienischen Lokal beendet sie ihre Qualmerei.

Eine weiteres Highlight des Films ist dann Gary Oldman. Als DEA-Polizist Stansfield legt er hier eine der denkwürdigsten Leistungen seiner Karriere ab. Auch, weil er ziemlich viel improvisierte. Zum Beispiel sein Beethoven-Monolog, den er Mathildes Vater vorträgt. Man sagt, dass diese Rede der Grund dafür war, dass Oldman Beethoven in „Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“ spielen durfte. Außerdem stand auch nie im Drehbuch, dass er beim 1. Treffen mit Mathildas Vater so nah und schnüffelnd an dessen Gesicht treten sollte. Das Unbehagen, das Darsteller-Kollege Michael Badalucco dabei ausstrahlt, ist daher auch relativ echt.

Doch die Krönung ist sein so genannter „Everyone“-Moment. Der war eigentlich als Witz für Besson gedacht. Es ist die Szene, in der Stansfield seinen Männern befiehlt, alles an Verstärkung zu holen, was sie kriegen können. Er hatte zuvor schon mehrere Takes aufgenommen, in denen er ganz ruhig „Bring me everyone“ sagte. Aber dann wollte er seinen Regisseur zum Lachen bringen. Er bat den Tonmann, die Kopfhörer abzunehmen und schrie so laut er konnte. Und eben dieser Take landete im Film und gilt heute als eine seiner berühmtesten Szenen.

Ach, und es gibt noch so viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass ein Ladendieb während der Dreharbeiten gefasst wurde, weil er durch die vielen Polizei-Fahrzeuge beim Finale irritiert war. Oder dass der Film eigentlich mal 150 Minuten lang sein sollte, fürs Kino massiv gekürzt wurde und erst im Director’s Cut wieder viele Szenen von Léon und Mathilda enthielt, die zu irritierend fürs Publikum waren. Oder dass auch Luc Besson kurz im Film auftaucht. Er ist der Mann, der auf die beiden schießt, wenn Léon Mathilda den „Ringtrick“ zeigt.

Und das ist das Ende meiner Infos für heute. Aber lasst euch noch gesagt sein, warum ich LEON – DER PROFI so geil finde:

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