OSCARS 2019 | Goldjunge in der Krise (3): #OscarSoMale | ELMARS HOLLYWOOD

Die Oscars sind in hohem Maße ein Abbild dessen, was sich in der Filmindustrie allgemein abspielt. Solange diese Studios Frauen und Minderheiten wenige Chancen geben, werden Frauen und Minderheiten auch bei den Oscars nur wenige Chancen haben.

Im dritten und letzten Teil der Oscar-in-der-Krise-Reihe geht es bei Elmar Biebl um genau dieses weitere Defizit auf dem To-do-Zettel der Academy-Verantwortlichen. Nachdem mit den Nominierungen von BLACK PANTHER und BLACKKKLANSMAN, von Regisseur Spike Lee und Nebendarsteller Mahershala Ali, zumindest der #OscarSoWhite-Vorwurf ein wenig vom Tisch zu sein scheint, rückt dafür nun eine weitere Baustelle ins Sichtfeld: #OscarSoMale. Im gesamten Filmjahr 2018 soll – glaubt man den Juroren – nur eine einzige Regisseurin, Nadine Labaki mit CAPERNAUM, eine Nominierung verdient haben? Und das dann auch „nur“ in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“?

Kaum verkündet, schon zurückgerudert: Die Not scheint groß zu sein, wenn nicht mal mehr Zeit zum Durchdenken bleibt

Zuerst war da die neue Preiskategorie: Outstanding Popular Film. Also: echte Kassenknaller zusätzlich neben den sonst allzu gern erwählten Arthouse-Kunststückchen. Hinausposaunt im August 2018. Schwamm drüber dann schon wieder im September 2018.

Dann – im Februar 2019 – eine neue Idee. Dieses Mal, um die Verleihung für das seit einiger Zeit abwandernde TV-Publikum kürzer, „angenehmer“, zuschauenswerter zu machen. Die Idee: Die Preise in den Kategorien „Beste Kamera“ (unter anderem Alfonso Cuarón für ROMA), „Bester Schnitt“, „Bester Kurzfilm“ sowie „Bestes Make-up und Hairstyling“ mehr oder weniger während der (TV-) Werbepausen zu überreichen. Grandios! Also … der Aufschrei danach. Sogar das Wort „Boykott“ soll zwischen den vielen publizierten Zeilen und eilig verbreiteten Zitaten durchgeschimmert haben. Egal. Denn auch dieser Verbesserungsvorschlag der Academy ist inzwischen Makulatur. Weg. Vom Tisch. Vergessen. Oder, nein: leider NICHT vergessen.

Regisseurin Nadine Labaki beim Dreh von CAPERNAUM – nominiert für einen Oscar in der Kategorie „Best Foreign-Language Film“ (Foto: Fares Sokhon/Sony Pictures Classics)

Es wird also wieder einmal spannend – auch bei den 91. Academy Awards. Aber dieses Mal nicht, weil man um die Political Correctness (oder auch gerade nicht) der Moderation fürchten muss. Es gibt nämlich gar keine Moderatorin und gar keinen Moderator. Und vielleicht noch nicht einmal bei der Vergabe der begehrten Filmpreise. Dazu waren die bisher Prämierten – bei den Golden Globes, bei den SAG Awards, bei den BAFTAs – fast schon zu deckungsgleich. Nein. Es wird spannend, zu sehen sein, ob es die versammelte Filmprominenz (oder wenigstens der eine oder die andere) wagt, in irgendeiner Art und Weise gegen das immer willkürlichere Agieren der allmächtigen Academy aufzumucken. Und: welchen Schaden das Hin und Her der vergangenen Monate, Wochen und Tage dann summa summarum dem ohnehin schon lädierten öffentlichen Interesse am – unbestritten immer noch – wichtigsten Filmpreis der Welt zugefügt haben wird. DAS wird spannend.

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