Warum nicht einfach mal einen Film lesen? | ELMARS HOLLYWOOD

 
Hollywood liest. Genauer gesagt: Hollywood liest vor. Jennifer Garner und Amy Adams haben #SaveWithStories initiiert – wo beschäftigungsfreie Schauspieler wie Jeff Bridges, Natalie Portman, Glenn Close oder Eddie Redmayne ihre eigenen Lieblingskinderbücher im Web vorlesen. Nicht, um Zeit totzuschlagen. Sondern, um bedürftigen Kindern zu helfen. STAR TREK-Kommandant Luc Picard lässt sich beim Shakespeare-Rezitieren zugucken. Die Screen Actors Guild lässt ihre SAG Awards einfach mal SAG Awards sein und hat die Website storyonline.net ins Leben gerufen, wo Hollywood-Stars wie Rami Malek, Chris Pine, Michelle Yeoh, Elijah Wood, Kristen Bell, Justin Theroux, Annette Bening, Kevin Costner und und und in Videos Literatur für ein eher junges bis ganz junges Publikum präsentieren, während sich Daisy Ridley für Disney durch die Seiten blättert. Titel des Werks übrigens: BB-8 ON THE RUN. Einmal Disney, immer Disney. Einmal STAR WARS, immer STAR WARS.

Selbst Elmar ist dieser Tage mal wieder auf die Literatur gekommen. Übrigens bei einer Corona-typischen Beschäftigung: Aufräumen und Staubwischen. Beim Wechsel zwischen Videosammlung und Bücherregal war er erstaunt, wie viele Titel ihm gleich doppelt in die Hände fielen. Oder anders gesagt: Wie viele uns wohlvertrauter Filmtitel auf zuvor gedruckten Büchern basieren.

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Stephan Temp: Portätbild

Bücher lesen ist Zeitverschwendung? Das muss früher gewesen sein. Vor Corona.

Mit Büchern und Filmen ist das ja ein bisschen so wie mit der Henne und dem Ei. Wobei es hier weniger darum geht, was zuerst da war. Sondern die Frage mehr die ist, was man denn besser zuerst „fressen“ sollte. Bücher haben den Vorteil, dass sie unserer Fantasie viel mehr freien Auslauf lassen als Filme. Bei denen sich Ausstatter, Kostümbildner, Casting-Agenten, Drehbuchautoren und Regisseure ja bereits alle Mühe gegeben haben, damit sich unsere Vorstellungskraft erst gar nicht mehr groß anstrengen muss. Kann ein Vorteil sein. Oder auch nicht.

Nun wird ja nicht jeder Bestseller bereits verfilmt, während man selbst noch nicht mal beim vorletzten Kapitel angekommen ist. Und wenn doch? Ja, dann kann es passieren, dass man enttäuscht ist, wenn der große Held, der heiße Hase oder die arme Socke auf der Leinwand so ganz und gar mehr nicht dem Bild entsprechen, das man sich ein paar hundert Seiten lang von ihnen gemacht hat. Also doch zuerst der Film? Umgekehrt ist es aber vielleicht auch ganz praktisch, wenn man sich – ohne lange Gesichtserkennungs-Ablenkung – bei der Lektüre auf all die viel weiter verzweigten Verzweigungen und tiefer gründenden Abgründe konzentrieren kann, die der Drehbuchautor und Regisseur links und rechts liegen lassen mussten, weil wir sonst alle siebeneinhalb Stunden im Kino verbracht hätten. Und letztlich bliebe als letzte Ausfahrt auf dem Zwickmühlen-Highway ja immer auch die Möglichkeit, das Buch einfach als das Buch und den Film als eben diesen Film zu sehen. Ohne triebhafte Vergleichssucht.

Filme sehen wir oft mehrmals. Bücher hingegen – da spreche ich mal für mich – nimmt man selten ein zweites Mal in die Hand. Irgendwie meint man – meine ICH –, schon beim ersten Mal alles Entdeckenswerte entdeckt zu haben. Ist das so? Bei Filmen argumentiert man ja gerne genau andersrum: dass sich da – wo man den Text schon mitsprechen kann – immer noch etwas finden lässt, das man bisher übersehen hat. Oder vergessen.

Es gibt Filme, da weiß man sehr wohl, dass die auf literarischen Vorlagen basieren. Also … jetzt nicht so etwas wie Stephenie Meyers BIS(S)-Reihe um Edel-Vampir Edward und seine zunächst noch sterbliche Bella. Oder Gillian Flynns GONE GIRL. Sondern all die Klassiker: VOM WINDE VERWEHT. IM WESTEN NICHTS NEUES. Die großen Erfolge von Patricia Highsmith. Von John le Carré, Mario Puzo, Cormac MacCarthy, John Grisham, Elmore Leonard, Stieg Larson, Joanne K. Rowling. Aber: Irgendwann, vielleicht am 12.11.2020, bekommen wir mit KEINE ZEIT ZU STERBEN das 25. James Bond-Abenteuer zu sehen. Und wir alle haben uns schon bei der Frage, ob „der“ nächste Bond vielleicht mal eine Frau sein sollte, die Wangen rot diskutiert. Aber jetzt mal ganz im Ernst: Hat irgendjemand von uns schon jemals einen der 007-Romane von Ian Fleming zur Hand genommen und aufgeschlagen? Was wahrscheinlich auch gar nicht so einfach ist. Denn viele Bücher sind – zumindest neu – nicht mehr verfügbar. Wurden nie mehr gedruckt. Bei Filmen staunt man ja manchmal auch, dass es sie nicht auf DVD oder Blu-ray gibt … und per Stream natürlich schon mal gar nicht.

Ist eigentlich bekannt, dass Friedrich Dürrenmatt zwar die Drehbuchvorlage zu ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (später noch einmal als THE PLEDGE mit Jack Nicholson verfilmt) lieferte – aber erst nach dem Erfolg des Films seinen berühmten gleichnamigen Roman verfasste? Es gibt also – neben Büchern und Filmen – auch noch eine dritte Ebene, die Aufmerksamkeit verdient: die Geschichten, wie aus Büchern Filme wurden. Und manchmal auch umgekehrt.

Schlussnote: Wir hatten ja neulich schon mal laut darüber nachgedacht. Und vielleicht sollten wir das einfach noch einmal tun. Dann auch gleich noch mal etwas lauter. Also: Stellt euch vor, Elmar würde nach seiner Videosammlung und seinem Bücherregal jetzt auch noch seine Schallplatten und seine CD-Sammlung abstauben. Was er da wohl an Musik entdecken würde, die untrennbar mit Filmen verbunden ist? Darüber nachdenken kann man ja mal.

 

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