Die neuen Leiden der besten Regisseure | GOLDEN GLOBES COUNTDOWN 2020

An die Szene werden sich Film-Fans noch sehr lange erinnern: Als am Ende, auf dem Höhepunkt der 89. Oscar-Nacht, Faye Dunaway und Warren Beatty den magischen Umschlag für die letzte Preiskategorie – Best Picture – öffneten und den magischen Satz verkündeten: „And the Oscar goes to … LA LA LAND!“ Ein fataler Irrtum, im wahrsten Sinne des Wortes Fehlgriff, der sich in den ersten Sekunden der Dankesrede der LA LA LAND-Produzenten aufklärte Denn der wahre Oscar-Preisträger war natürlich MOONLIGHT. Die Sensation? Knapp verpasst! Also … nicht der Umstand, dass ein Film sieben Oscars geholt hätte. BEN HUR, David Camerons TITANIC und DER HERR DER RINGE: DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS zählten am Ende jeweils elf Oscars. Aber dass ein Film als bester Film ausgezeichnet worden wäre und dessen Regisseur Damien Chazelle für die beste Regie – DAS wäre eine Sensation gewesen. Warum? FredCarpet-Hollywood-Experte und Golden-Globes-Juror Elmar Biebl über ein fast schon ungeschriebenes Gesetz der jüngeren Hollywood-Geschichte …

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Stephan Temp: Portätbild

Bester Film und beste Regie – gelingt das Tarantino oder Scorsese?

Die Nominierten der Golden Globe Awards stehen – natürlich! – längst fest. Die der nächsten Academy Awards werden erst am 13. Januar 2020 bekanntgegeben. Insofern erübrigt sich hier noch jedes Rätselraten. Aber so grundlegend anders wie dann bei den in der Vorwoche verliehenen Globes werden die Namen wohl nicht klingen. Bislang sieht es danach aus, als würden Quentin Tarantino mit ONCE UPON A TIME … IN HOLLYWOOD und Martin Scorsese mit THE IRISHMAN das Ding unter sich ausmachen. Und damit ein „klassisches“ Hollywood-Studio, nämlich Columbia beziehungsweise Sony Pictures, und ein sogenannter „Disruptor“ des Filmgeschäfts, nämlich Netflix. Was inzwischen ja nichts Neues mehr ist.

Wobei man die Rechnung sicher nicht ohne Todd Phillips und seinen JOKER machen sollte. Also … im Sinn von Doppelsieger. Einer Chance, der Noah Baumbach bei den Globes leider beraubt ist: Seine MARRIAGE STORY ist zwar nominiert, er selbst als Regisseur allerdings nicht. Mal sehen, wie das dann bei den Nominierungen für die Oscars aussehen wird.

2019 hatten die Juroren zweifelsohne die Qual der Wahl. Und 2020?

Es gibt gute Kinojahre. Und weniger gute. 2019 war mit Sicherheit kein schlechtes. Und vielleicht gibt es ja auch in der gerade startenden Award Season noch die eine oder andere Überraschung. DER LEUCHTTURM? Zu sehr Kammerspiel? THE REPORT? Zu unpatriotisch? UNCUT GEMS? Einfach zu spät dran gewesen?

Oder dem Überangebot zum Opfer gefallen? Wäre der eine oder andere Produzent, das eine oder andere Studio, der eine oder andere Streamer vielleicht besser beraten gewesen, seinen Film erst 2020 auf das Filmpublikum – und damit auch auf die Juroren der bedeutendsten Filmpreise – loszulassen? Hinterher ist man immer etwas schlauer. Und 2020 treten ja nun auch schon wieder andere, neue, auch nicht weniger talentierte Kandidaten an.

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Berlinale 2020: Besenwagen der Kinowelt? Oder Frühindikator?

Aber so weit sind wir ja noch nicht. Erstmal heißt es: Nach den Globes ist vor den Globes. Und nach den Oscars ist vor den Oscars. Was das für die 70. Internationalen Filmfestspiele in Berlin bedeutet, die 2020 nach Ende der Award Season in Hollywood und vor allem nach der Oscar-Verleihung (am 9. Februar) erst am 20. Februar beginnen? Wir fürchten: nichts Gutes. Vielleicht ist der Berlinale-obligatorische (Schnee-)Regen dieses Mal wärmer. Dafür dürfte aber die Film-Star-Dichte so dünn sein wie selten zuvor. Für Hollywoods Prominenz sollte die Luft raus sein – und der Urlaub nach dem Roter-Teppich-Marathon wohlverdient. Aber auch da lassen wir uns natürlich gerne überraschen. Vielleicht sogar von Netlix, Amazon und Co.? Oder von der Aussicht darauf, in Berlin einen Goldenen Bären für den besten Film und einen Silbernen Bären für die beste Regie mit nach Hause nehmen zu können? Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt. Auch im Filmgeschäft.

 

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