Filme und Videospiele werden eins: Das Tribeca Film Festival wagt die Revolution | ELMARS HOLLYWOOD

Kinobesitzer hören jetzt vielleicht lieber mal kurz weg. Denn ganz ehrlich: Diese Pandemie hat auch etwas Gutes. Man kommt öfter zum Nachdenken beziehungsweise ist öfter zum Nachdenken gezwungen. Hat Zeit zum Aufräumen. Schafft es endlich, altem Staub den Garaus zu machen. Längst Überfälliges zu erledigen. Sich von Überflüssigem zu trennen. Notwendige Änderungen anzustoßen. Freiwillig, aus freien Stücken, ohne Zwang wird das ja meistens doch nichts. Keine Zeit. Warum auch, wenn es doch auch (noch!) so geht.

Aber jetzt ging es eben nicht mehr. Jetzt wird weniger geflogen. Kaum noch gereist. Filme kann man als Kritiker und Filmjournalist auch zu Hause als Screener sehen. „Wichtiges“ kann auch per Skype oder Zoom besprochen werden. Interviews funktionieren auch online – und liefern ganz nebenbei die eine oder andere „Homestory“.

Auf einmal stehen Themen wie Diversität im Vordergrund. Und nicht mehr die Frage „Wer trägt was und wer kommt mit wem?“. Filmpreise und Festivals leiden. Unter mangelnder Star-Dichte = zu geringem Glamour-Faktor = viel zu niedrigen Einschaltquoten. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und sind sinkende Quoten und sich verringernde Akzeptanz denn wirklich nur dem blöden Virus geschuldet? Doch erst jetzt scheinen sie aufzuwachen, die Macher, die Gastgeber, die Preise-Vergeber. Die Oscars versuchen es mit neuen Regeln – Elmar hat es ja schon sehr kritisch unter die Lupe genommen. Die Berlinale versucht, Gleiches noch gleicher zu machen. Wie, erklärt Elmar in diesem Video. Und beim New Yorker Tribeca Film Festival will man gleich einen Riesenschritt nach vorne machen – in Richtung einer riesengroßen, stark wachsenden, hellwachen und vor allem konsumstarken Klientel.

 

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Hollywoods nächstes großes Ding: Aus Stories werden Videospiele – aus Videospielen werden Stories

Doch all die kleinen oder großen, sowieso überfälligen Korrekturen – mehr Frauen, mehr Hautfarben, mehr Gender – werden nicht halb so viel für die Belebung des Film- oder, besser gesagt, Entertainment-Business bewirken, wie das, wozu man sich jetzt in den New Yorker Büros von Robert De Niro, Jane Rosenthal und Casey Baltes entschlossen hat: Die Zusammenlegung von Tribeca Film Festival und Tribeca Games ab 2021. Oder anders gesagt: Die Verschmelzung zweier Entertainmentsparten, die eigentlich schon längst gar nicht mehr zwei und eigentlich auch oft gar nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Filme und Spielwelten werden eins. TITANIC- und AVATAR-Schöpfer James Cameron hat es Elmar schon vor längerer Zeit bei Cognac und Zigarre prophezeit. Für Casey Baltes, President von Tribeca Games, ist die Entwicklung einfach nur logisch. Für ihn sind Videospiele längst eines der fortschrittlichsten Mittel zum Erzählen von Geschichten. Und zwar auf unglaublich künstlerische Weise, mit inzwischen fantastischen Darstellungen und vor allem einem nicht zu unterschätzenden Gadget: der weltweiten Vernetzung der Fans und Communities!

Kinobesitzer hören jetzt also vielleicht lieber noch einmal kurz weg. Die zunehmende Verschmelzung von Film und Videospiel dürfte nämlich eine weitaus bedrohlichere Entwicklung sein als das Wachstum der Streaming-Plattformen und -Anbieter. Interaktive Filme … wie soll das in Kinos machbar sein? Mittels VR-Brillen und -Welten? Aber wozu dann ins Kino gehen und Eintritt bezahlen? Um gemeinsam Popcorn und Käsenachos zu konsumieren? Wohl kaum. Aufgepasst also, Kinobesitzer und Hollywood-Filmemacher! Und vor allem: Verpasst bloß keine Chance, uns von den Vorteilen riesengroßer Leinwände, perfekter Soundsysteme und dem Gemeinschaftserlebnis zu überzeugen, für zwei Stunden in eine andere Welt abzutauchen. Sonst geht das Kino als Institution vielleicht wirklich noch den Weg vieler Stummfilm-Stars: in die antiquierte Bedeutungslosigkeit. Denn Netflix und erst recht Apple+ und Co. werden ziemlich sicher attraktive Lösungen zu den neuen Herausforderungen einfallen, die ihre Klientel zu Hause bei der Stange halten … oder sogar noch einmal kräftig wachsen lassen werden.

 

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