Berlinale 2017 | Der Goldene Bär ruft…die Gewinner – Tag 10

Die Preisverleihung der Berlinale 2017 / Copyright: Andreas Teich / Berlinale 2017

10 Tage, die für uns wieder wie im Fluge vergangen sind. Heute ist Publikumstag bei der Berlinale, doch alle Goldenen Bären wurden bereits gestern verliehen. Was für unseren Autor die besten 5 Filme waren, lest ihr hier:

Die BERLINALE 2017 war nicht das große Jahr der Meisterwerke, doch einige Film-Perlen gab es trotzdem. INSYRIATED, der durch seine Intensität überzeugte. CALL ME BY YOUR NAME, der durch seine wunderschöne Liebesgeschichte herausstach. GOD’S OWN COUNTRY, der mit Wahrhaftigkeit punktete. THE PARTY, der uns durch seinen Witz bei Laune hielt. Und ON BODY AND SOUL, der durch Schönheit und Poesie glänzte. De Film von Ildikó Enyedi, dessen letzter Film knapp 20 Jahre zurückliegt, ist deshalb auch für uns ein verdienter GOLDENER BÄR Gewinner.  Schade nur, dass Josef Haders WILDE MAUS und Sally Potters THE PARTY leer ausgingen, standen doch beide represäntativ für den Witz und die Leichtigkeit bei dieser BERLINALE. Was für uns bleibt, sind 10 Tage, die uns auslaugten, die wir aber auch genossen. 10 Tage, die zeigten, dass die BERLINALE mit seinen ganzen Nebenschauplätzen für Vielfalt steht und dass politische Ambitionen auch nicht alles sind, um einer der begehrten Goldenen Bären mit nach Hause zu nehmen. Alle Gewinner findet ihr hier, welche Filme wir noch am Samstag sehen konnten, lest ihr weiter unten:

Goldener Bär für den Besten Film

estről és lélekről
(On Body and Soul)
von Ildikó Enyedi

Silberner Bär Großer Preis der Jury

Félicité
von Alain Gomis

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis

Pokot (Spoor)
von Agnieszka Holland in Zusammenarbeit mit Kasia Adamik

Silberner Bär für die Beste Regie

Aki Kaurismäki
für Toivon tuolla puolen
(Die andere Seite der Hoffnung)

Silberner Bär für die Beste Darstellerin

Kim Minhee
in Bamui haebyun-eoseo honja
(On the Beach at Night Alone)
von Hong Sangsoo

Silberner Bär für den Besten Darsteller

Georg Friedrich
in Helle Nächte
von Thomas Arslan

Silberner Bär für das Beste Drehbuch

Sebastián Lelio und Gonzalo Maza
für Una mujer fantástica
(A Fantastic Woman)
von Sebastián Lelio

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung

Dana Bunescu
für den Schnitt in
Ana, mon amour
von Călin Peter Netzer

TINSELWOOD  / SEKTION FORUM

Tinselwood / Copyright: Les Films Du Bilboquet

TINSELWOOD ist eine Doku der wenigen Worte. Ein wahrhaftiges Zeitdokument eines kleines, vergessenen Dorfes namens Yaoundé in Kamerun, dessen Bewohner von den Überresten und Schätzen der früheren Kolonialherren leben, die sie dort draußen irgendwo versteckt haben. Er begleitet seine Protagonisten beim Holzfällen, auf der Suche nach Gold und Diamanten, in einem Leben im Einklang mit der Natur und der Stille. Die Geschichte ist für alle, die sich mit Kameruns Historie nicht auskennen, schwer einzuordnen, verliert aber nie seine Faszination, gerade auch weil es den Stillstand des Augenblicks mit möglichst großer Distanz verfolgt.

PIELES  / SEKTION PANORAMA

Pieles / Copyright: Berlinale 2017

Ist TINSELWOOD ein stilles Zeitdokument, ist das spanische Werk PIELES von Eduardo Casanova ein lautes, grobschlächtiges Werk. Es feiert episodisch die Ästhetik des Hässlichen und Unperfekten,  ist gleichzeitig aber auch Konsum- und Gesellschaftskritik. In symbolischen Farben erzählt es von Personen, die anders sind als der Durchschnitt. Von Menschen, die körperlich oder geistig eingeschränkt sind. Von Figuren, die lieber sterben als leben wollen. Von Außenseitern, dessen verzweifelte Taten uns ein Schmunzeln ins Gesicht treiben, statt sie nur zu bemitleiden. Von Menschen, denen man gerne helfen würde, wenn man doch nur könnte. Ein Film, der trotz seiner Weirdness und Kurzweiligkeit immer wieder Spass macht.

THE WOUND  / SEKTION PANORAMA

The Wound / Copyright: Uruca Media

Moderne und Tradition miteinander zu vereinbaren – darum geht es im südafrikanischen Drama THE WOUND. Wieviel Selbstverwirklichung ist möglich, wenn man gleichzeitigh an den Normen der alten Welt festhalten will? Wie lebt man als jemand, der seine Homosexualität in einer Welt verstecken will, die von Machotum und anderen Männlichkeitswerten überlagert wird. Der Film begleitet seine Protagonisten beim jährlichen Beschneidungsritual der Xhosa und besticht mit seinem feinen Gespür für Stimmungen und Atmosphären. Gleichzeit ist es die Geschichte eines jungen südafrikanisches Mannes, der sich auf der Suche nach sich selbst in diesen Ritualen selbst findet. Sensibel erzählt!

COMBAT AU BOUT DE LA NUIT  / SEKTION PANORAMA

Combaut Au Bout De La Nuit / Copyright: Sylvain L’Espérance

Interessant ist auch die Dokumentation COMBAT AU BOIT DE LA NUIT. Regisseur Sylvain L’Espérance kommt hier in seiner großen fünfstundigen Dokumentation über die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise Griechenlands ganz ohne Off-Stimme aus und hört lieber die Stimmen von all jenen, die direkt oder indirekt von der Krise betroffen sind. Ein Obdachloser, der früher glücklicher Familienvater war und mit der Krise erst sein ganzes Vermögen und dann das Dach über den Kopf verlor. Ein Flüchtling, der in seinem Heimatland als Lehrer arbeitete und jetzt so dankbar wie einsichtig ist, dass für ihn das Leben jetzt nicht mehr so einfach weitergehen wird, eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft aber nicht verliert. Und ein um sich und sein Leben kämpfender Jugendlicher, der sein Lebensunterhalt mit Utensilien verdient, die andere auf den Müll werfen. Der Doku gelingt ein wahrhaftiger Blick auf Griechenland, der seinen Protagonisten viel Raum und Zeit gibt und uns Zuschauer in den Bann zieht – trotz bzw. genau wegen der epischen Länge von 5 Stunden.

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