Der Bechdel-Test | UNVERBLÜMT

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Der Bechdel-Test

Erfunden im Jahr 1985 von der Comic-Autorin Alison Bechdel, der erstmals in ihrem Comic DYKES TO WATCH OUT FOR Anwendung fand. Der Korrektheit halber ist hier zu erwähnen, dass dieser Test eigentlich Bechdel-Wallace-Test heißen sollte. Denn er ist keineswegs eine Erfindung Bechdels, sondern die ihrer Freundin Liz Wallace. Und diese wiederum fand die Inspiration dazu bei Virginia Woolf. Der Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test beschäftigt sich mit drei Fragen. Nämlich, ob ein Film, eine Serie oder ein Roman mindestens zwei weibliche Charaktere zeigt, die miteinander sprechen – und zwar über etwas anderes als – Achtung! – einen Mann. Klingt simpel? Ist es aber ganz und gar nicht.

Zehn Filme im Bechdel-Test

ALADDIN – bestanden
PULP FICTION – bestanden
A STAR IS BORN – bestanden
RESERVOIR DOGS – durchgefallen
THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE – durchgefallen
AVENGERS: ENDGAME – bestanden
GRAVITY – durchgefallen
WIR (US) – bestanden
BIRD BOX – bestanden
MID90S – durchgefallen
JOHN WICK: CHAPTER 3 – PARABELLUM – duuuurchgefallen

Das sind zehn Filme, die ich mag. Unterzieht man sie dem Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test, stellt man fest: Ich, eine emanzipierte (ich mag das Wort Feministin nicht) Frau, findet Filme gut, die in punkto Präsenz und Gewichtung weiblicher Figuren in Filmen völlig abloosen. Was sagt das jetzt aus? Über mich? Über diese Filme? Nun: GAR NICHTS.

Denn: Nur, weil ein Film den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test nicht besteht, heißt es nicht zwangsläufig, dass er aus frauenfeindlicher Kacke besteht. Auch, wenn er besteht, erhält er nicht zwangsläufig das Prädikat „feministisch“. Ein Film, der nicht alle Kriterien des Bechdel-Wallace-(Woolf)-Tests erfüllt, muss nicht zwangsläufig sexistisch sein. Es kann sogar passieren, dass ein Film, der eben diesen Test besteht, ultra sexistisch ist. GRAVITY mit Sandra Bullock in einer – oder besser gesagt: DER außerordentlich – starken Hauptrolle besteht den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test zum Beispiel nicht. Wie denn auch? Die arme Frau schwebt die meiste Zeit des Films über im Weltall. Allein.

Ebenso kann man (Frau) nicht erwarten, dass APOCALYPSE NOW den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test besteht. Das macht nämlich überhaupt keinen Sinn. Ich meine, ein wenig realistisch müssen wir schon bleiben. Im Krieg gab es keine Frauen. Wirft diese Tatsache jetzt eigentlich eine Gegenbewegung zum Feminismus auf? Ich meine … gleiche Regeln für alle, oder?

Der Bechdel-Test: graue Zone

Es gibt Filme, die keinem feministischen Anspruch entsprechen müssen. Genau so, wie ein Knabenchor keine Mädchen aufnehmen muss. EXKURS: Ganz frisches Thema! Vor kurzem hat die Mutter eines jungen Mädchens versucht, ihre Tochter in einen Knabenchor zu klagen. Und … verloren. Ich finde: zu Recht. Dieses ständige „In-alles-was-Jungs-und-Männer-tun-Reindrängen“ ist außerordentlich nervig. So macht ein Knabenchor doch gar keinen Sinn mehr! Ebenso sehe ich die Sache mit Filmen. Manchmal macht es einfach Sinn, einen Film durch den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test fallen zu lassen.

Was sollen wir also mit solch einem Test? Ist irgendetwas Gutes daran, oder ist es nur eine weitere Fläche, auf der ein Kampf der Geschlechter ausgetragen werden kann? Alice Bechdel selbst sagt, der Test sei völlig wertfrei und solle lediglich die Repräsentation beziehungsweise Stereotypisierung der Frau im Film aufzeigen. Ich habe das Gefühl, hier herrscht ein Widerspruch in sich.

Nehmen wir einmal HUNGER GAMES, in dem ein wahrlich starkes Frauenvorbild von Jennifer Lawrence dargestellt wird und den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test besteht: In einem Interview sagte die Hauptdarstellerin, dass sie sich geweigert habe, einem weiblichen Stereotyp zu entsprechen. Mit ihren Körpermaßen entsprach sie nicht dem „Idealbild“ einer starken, aber vor allem attraktiven Kriegerin. Was total bescheuert ist, weil sie Normalgewicht hatte und einfach nicht modelmäßig skinny war. MOTHER ist hingegen ein Film mit Jennifer Lawrence, der durch den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test fällt. Ebenso DALLAS BUYERS CLUB.

Wenn es also um das Anprangern – oder: neutraler – Aufzeigen eines geschlechtlichen Missstands geht, könnte man dann nicht von einer emanzipierten Schauspielerin erwarten, beim Lesen des Drehbuchs Sorge dafür zu tragen, die Kriterien des Bechdel-Wallace-(Woolf)-Tests zu erfüllen? Und zwar auf gute Art und Weise? Oder ist das zu viel verlangt? Denn Schauspielerei ist ein Beruf. Eine Dienstleistung. Der Drehbuchautor müsste also während der Entstehung der Geschichte überwacht werden.

Oder man macht es wie Reese Witherspoon. Die NATÜRLICH BLOND-Darstellerin hat mit Hello Sunshine eine Firma gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ausschließlich Filme zu produzieren, in denen Frauen eine starke Rolle verkörpern. Das ist auch gut so, denn statistisch gesehen sind Frauen noch immer nicht ausreichend in Filmen representativ. ABER eben genau so andere Gruppen wie Schwarze, Asiaten, Behinderte. Dafür gibt es übrigens auch Tests.

Mako-Mori-Test

Dieser Test ist nach einem Charakter aus dem Film PACIFIC RIM benannt und ergänzt den Bechdel-Wallace-(Woolf)-Test um die Frage nach der Charakterentwicklung.

Vito-Russo-Test

Benannt nach dem Filmkritiker Vito Russo, fragt der Test nach der Anzahl der homosexuellen Charaktere und danach, ob sie auf ihre sexuelle Orientierung reduziert beziehungsweise nur als Beiwerk inszeniert werden. Ein positives Beispiel finden wir in BOHEMIAN RHAPSODY.

Kent-Test

Er beschäftigt sich mit der Darstellung und Repräsentation von weiblichen Charakteren of Color (Hallo, ARIELLE …).

Disability Representation-Test

Der härteste, weil er so gut wie gar nicht bestanden wird. Der DispRep-Test beziehungsweise

Sou Boujloud

 

1 Kommentar
  1. Phil Kommentar

    Gähn. Der einzige Test, der wirklich relevant ist, ist und bleibt der Kobayashi-Maru-Test.

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