Schauspieler als Regisseure | ELMARS HOLLYWOOD

Frage von Elmar: Würdet ihr einen Job gegen einen tauschen, bei dem ihr dreimal so viel arbeiten müsstet wie zuvor – aber lediglich ein Drittel eures alten Lohns bekämt? Nein? Eine ganze Menge Hollywood-Stars machen das aber. Schauspieler als Regisseure? Warum? Weil sie es können.

Filmjournalist und Golden-Globes-Juror Elmar Biebl erklärt in seinem aktuellen Hollywood-Update, warum viele bestens verdienende, heißbegehrte und in Folge dessen natürlich auch komplett ausgelastete Schauspieler so gerne auf den Regiestuhl wechseln. Ganz einfach: Geld ist für sie nicht mehr alles. Ihnen ist es einfach wichtig, bei einem Film wirklich das Sagen zu haben … und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Außerdem liefert Elmar bei der Gelegenheit auch gleich noch einen Ausblick auf das, worauf wir uns in den nächsten Monaten im Kino oder auf den Streaming-Kanälen aus den Händen des einen oder anderen Regie-Frischlings freuen können.

Schauspieler als Regisseure – Tradition in Hollywood

Filmstars hinter anstatt vor der Kamera sind kein neues Phänomen. Charlie Chaplin (DER GROSSE DIKTATOR) hat es getan. Charles Laughton (TOTE TRAGEN KEINE KAROS) hat es getan. Gene Kelly hat es getan. Marlon Brando (DER PATE) hat es getan. Danny DeVito hat es getan. Takeshi Kitano (OUTRAGE) hat es getan. Gary Oldman hat es getan. Tommy Lee Jones hat es getan. Kevin Costner (OPEN RANGE – WEITES LAND) hat es getan. Clint Eastwood (SULLY15:17 TO PARIS) tut es immer noch. Kenneth Branagh (MORD IM ORIENT-EXPRESS) auch. George Clooney (SUBURBICON). Ben Stiller (ZOOLANDER, DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY). Ben Affleck (THE TOWN – STADT OHNE GNADE, GONE BABY GONE – KEIN KINDERSPIEL). Wobei Letztere gerne auch schon mal in die Doppelrolle geschlüpft sind – als Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person.

Schauspieler als Regisseure – die neue Generation

Aber jetzt drängen vermehrt auch die Jungen oder Jüngeren ins Regiefach. Also die, für die der Wechsel hinter die Kamera nicht einfach nur die (durch ihr Lebensalter bedingte) logische Fortsetzung einer langen und verdienten Schauspielerlaufbahn ist. Sozusagen die Krönung. Oder für die der Rollenwechsel einer gesicherten Altersversorgung dient – bevor sie eines Tages als Gesicht vor der Kamera nicht mehr gefragt sind.

Jonah Hill, Star aus Filmen wie WAR DOGSHAIL, CAESAR!, 22 JUMP STREET oder THE WOLF OF WALL STREET und gerade mal zarte 34 Jahre jung, liefert mit MID90S (noch kein deutscher Starttermin) sein Regiedebüt – und gleichzeitig den Film über seine eigene Jugend.

MID90s-Regisseur Jonah Hill sitzt mit seinem Team in einem Auto und steuert die Filmaufnahmen.
Jonah Hill am Set von MID90s

AMERICAN SNIPER-Hauptdarsteller Bradley Cooper (unter der Regie von Clint Eastwood) debütierte als Regisseur gerade erst mit der nun schon vierten Verfilmung des Themas A STAR IS BORN (seit dem 04.10.2018 im Kino). Sein nächstes Projekt: ein Biopic über den Komponisten, Dirigenten und Pianisten Leonard Bernstein – ebenfalls wieder als Schauspieler und Regisseur (nicht zu verwechseln mit dem Bernstein-Biopic THE AMERICAN, in dem Jake Gyllenhaal den Musiker verkörpert).

SWISS ARMY MAN-Star Paul Dano liefert mit ebenfalls erst 34 Jahren sein Regiedebüt ab: WILDLIFE (mit Carey Mulligan und Jake Gyllenhaal), ein Vater-Mutter-Kind-Drama, das im Januar 2018 beim Sundance Film Festival Premiere feierte.

Schauspieler als Filmfestival-Betreiber

Apropos Sundance Film Festival … es gibt natürlich noch etwas „Höheres“ als die Weihen als Regisseur oder Produzent: ein eigenes Filmfestival.

2002 gründete Robert De Niro in Tribeca (Abkürzung von Triangle Below Canal Street), einem New Yorker Stadtteil im Süden von Manhattan, das Tribeca Film Festival, um das ehemalige Markt- und Lagerhausviertel zu neuem Leben zu erwecken. Heute ist Tribeca längst eine beliebte Filmlocation; außerdem sitzt hier De Niros Produktionsfirma (aktuell auch bei BOHEMIAN RHAPSODY involviert), und der Filmstar besitzt hier Immoblien, betreibt Restaurants und ein Hotel. Wobei ein Filmfestival sicher auch nicht hinderlich ist.

Tribeca Film Festival: Robert De Niro und Bradley Cooper sitzen auf einer Bühne und sprechen miteinander.
Tribeca Film Festival: Robert De Niro im Gespräch mit Bradley Cooper
Tribeca Film Festival 2005: Außenansicht des New Yorker Gebäudes, in dem das Festival stattfindet. Vor einem in roter Farbe gehaltenen Eingang stehen Menschen auf einem Roten Teppich, während ein gelbes Taxi vorbeifährt.
Tribeca Film Festival 2005: Außenansicht des New Yorker Gebäudes, in dem das Festival stattfindet

Seit 1981 steht Robert Redford mit seinem Namen und seiner Reputation hinter dem Sundance Film Festival, das jährlich in Park City und Salt Lake City stattfindet. Die Idee, das Festival in einem Skigebiet mitten im Winter zu veranstalten, stammt übrigens von Sydney Pollack, der davon überzeugt war, dass „Hollywood die Tür einrennt, um hier dabei zu sein.“ Redford steuerte dann noch den Namen bei – abgeleitet von seiner Rolle als Sundance Kid in BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID.

Sundance Film Festival: Robert Redford sitzt mit zwei Gesprächspartnern auf einer Bühne und lacht.
Sundance Film Festival: Robert Redford auf der Bühne
Sundance Film Festival 2012: Fahnen über verschneiten Straßen in Park City, Utah, kündigen das Filmfestival an.
Sundance Film Festival 2012: Fahnen über verschneiten Straßen in Park City, Utah, kündigen das Filmfestival an

Um genügend frisches Blut auf der Regieseite – das machen Elmars Beispiele deutlich – braucht einem also wirklich nicht bange zu sein. Welche Schauspieler als Regisseure in Zukunft für Aufsehen sorgen werden? Ob es Festivals wie Sundance und Tribeca und ihren Gründer-„Vätern“ ebenso nahtlos gelingen wird, den Staffelstab in jüngere Hände zu übergeben? Wir werden es aufmerksam mitverfolgen.

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